Feldbahngleise aus Holz

Feldbahn-Gleise schneller bauen – geht das? Ich habe Holz als Gleisbaumaterial probiert und einiges gezimmert. Neben einem Vitrinen-Gleisstück ist ein Oval als Teststrecke entstanden.

Bisher habe ich einen eher aufwändigen Gleisbau betrieben (siehe Artikel 31 und Artikel 51). Neusilber-Gleisprofile von Peco (Code 143 mit 3,6 mm Profilhöhe) wurden auf Holzschwellen genagelt oder auf Schwellen aus Leiterplattenmaterial gelötet. Mittlerweile suche ich nach einer einfacheren Gleisbau-Methode für Vitrinen, Teststrecken und Gleise in versteckten Bereichen. Wenn ich einen 3D-Drucker hätte, dann würde ich diese Technik probieren (siehe Beispiel Kunststoffgleis auf Shapeways). Derzeit muss ich mich jedoch noch mit den konventionellen Methoden begnügen.

Die Schienenprofile müssen nur dann aus Metall sein, wenn durch sie Schienenstrom fließt. Aber wer braucht so etwas heute noch? Also probiere ich ein anderes Material. Wie wäre es denn mit Holz? Die Idee ist, dünne Holzleisten als Schienenprofile zu verwenden. Ich habe Buchenholz-Leisten mit einer Stärke von 2 mm bestellt und diese auf Holzschwellen geklebt. Für die einfachere Montage erhielten die Schwellen via CNC-Fräse eine Nut mit der Breite der neuen Schienenprofile. Damit ist die Spurweite auch gleich festgelegt. Die Tiefe dieser Nut beträgt 1,5 mm, sodass bei 3,5 mm sichtbarer Profilhöhe eine Gesamthöhe von 5 mm für die Holzleisten erreicht wird. Solche Leisten 2 * 5 mm gibt es bei Modulor. Die dünnen Leisten lassen sich zwar gut biegen, jedoch ein Radius von 150 mm lässt auch diese Leisten krachen. Da gibt es noch etwas Interessantes: Buche-Biegeleisten. Diese Leisten lassen sich „kalt“ verformen ohne wässern oder dämpfen. Auch sehr enge Radien lassen sich damit gut biegen.

Zu Schwellen wurde Balsa-Holz mit einer Stärke von 5 mm verarbeitet. Dieses sehr weiche Holz lässt sich mit hoher Geschwindigkeit fräsen und die Schwellen können nachträglich leicht bearbeitet werden. Außerdem kann diese Holzart zur Alterung einfach geschnitzt und geritzt werden.

Material von Modulor
Artikelnumer Bezeichnung
266840 Buche Vierkantleiste 2 * 5 mm, 1000 mm lang
267474 Buche Biegeleiste 2 * 5 mm, 1000 mm lang
121791 Balsa Brettchen 5 * 100 * 1000 mm

Die Biegeleisten sind allerdings nicht ganz billig. Sie kosten etwa viermal so viel wie die herkömmlichen Leisten.

Gleisbau

Am Anfang war ein Stück Balsaholz mit einer Stärke von 5 mm. Auf der Stepcraft-Fräse habe ich die Umrandungen und Nuten für die Profile mit einem 2 mm Spiralfräser in das Holz geschnitten. Die Frästiefe von 1,5 mm reicht genau, damit die Profile genügend Halt haben.

Anschließend ging es mit der Kreissäge weiter. Die Schwellen sägte ich auf 6 mm Breite. Für das erste Mustergleis wurden die Schwellen auf 2 mm starken Karton geklebt.

Mit Holzleim lassen sich die Schienenprofile aus Buchenholz auf den Schwellen befestigen. Erst etwas Kleber in die Nut und anschließend das Profil hinengedrückt. Das oben dargestellte Gleisstück hat eine Spurweite von 22 mm und ist als Fahrzeuggleis in einer Vitrine vorgesehen.

Das Ergebnis sieht ja gar nicht schlecht aus. Die großen Scheibenräder (Vorbild 500 mm) passen gut auf die Profile. Natürlich sehen die klobigen Schienenprofile nicht so elegant aus wie die feinen PECO-Profile. Es soll ja auch „nur“ dem schnellen Modellbau dienen.

Teststrecke

Der eigentliche Grund für diese Holzarbeiten ist eine Teststrecke, die ich für die Montage der Grubenlok (siehe Artikel 52) benötige. Ein Oval mit Neusilber-Gleisprofilen fand ich etwas anstrengend. Deshalb ein Gleisoval mit 150 mm Radius auf einer Platte 400 * 850 mm aus Pappe.

Nach dem Aufzeichnen des Gleisverlaufs habe ich die Schwellen aufgeklebt, später nach dem Trocknen die Schienenprofile eingeklebt. Farbe und Schotter wollte ich nicht auftregen, da die Nässe des Fliessverbesserers und der verdünnte Weißleim ungünstig für die Hölzer und den Untergrund aus Pappe ist.

Die fertige Teststrecke ließ sich an einem Nachmittag aufbauen – ein großartiges Bautempo. Mehr zu dieser Strecke im Baubericht zur Grubenlok B660.

Alterung

Jetzt wollte ich noch das Einschottern im Modellbau betrachten. Dazu bekam das Gleis Airbrush-Farbe und Schotter. Die dunkle Grundfarbe ist Vallejo Dark Earth. Danach bekamen die Schienenprofile etwas Vallejo Rust.

Die Schwellenzwischenräume erhielten ein gemisch aus Schotter, Sand und Grün. Das Ganze habe ich mit dem üblichen Weißleim-Gemisch fixiert. Normalerweise hilft dem Weißleim eine ordentliche Portion Fließverbesserer, mit dem vorher das Gleisbett benässt wird. Jedoch kann dieses Nass dem Holz schaden.

Hier der direkte Vergleich zwischen Dachschwellen mit Peco-Profilen auf der linken Seite und dem Gleismuster auf der rechten Seite. Das zierliche Feldbahngleis ist ein richtiger Hingucker. Das andere Gleisstück wirkt deutlich aufdringleicher.

Fazit

Sind die Holzgleise eine Alternative und habe die Neusilber-Gleise ausgedient? Auf keinen Fall. In der Vitrine und auf Probiergleisen kann ich mich mit den Holzgleisen durchaus anfreunden. Auch in verdeckten Bereichen einer Grube finde ich diese Gleisbautechnik angemessen.