Abschied vom Schienenstrom

Motivation

Nach meinem bisherigen Verständnis fahren Modelleisenbahnen mit Strom, der über die Schiene eingespeist wird. Im Laufe der Zeit ist mit der Digitaltechnik der Betrieb mehrerer Fahrzeuge ohne getrennte Stromkreise im Streckennetz möglich. Dieser Technik gemein ist jedoch, dass die Übertragung der Fahrspannung über Schienen, Räder und Schleifer erfolgt. Die Verkabelung der Schiene ist nicht immer ganz einfach, wie Kehrschleifen und polarisierte Herzstücke an Weichen zeigen. Bei den Feldbahnfahrzeugen kommen noch einige unangenehme Punkte hinzu:

  • Die Höchstgeschwindigkeit ist gering, damit auch der Auslauf beim Überfahren von stromlosen Abschnitten.
  • Der Achsabstand ist gering, sodass die Fahrzeuge auf Kunststoff-Herzstücken gern stehenbleiben.
  • Feldbahnfahrzeuge haben meist nur zwei Achsen, die zur Spannungsübertragung herangezogen werden können. Sind diese beiden Achsen noch dazu starr angeordnet, hängen einzelne Räder beim Überfahren von holprigen Gleisabschnitten in der Luft. Aus zwei leitenden Achsen wird auf einmal eine einzelne Achse.
  • Das Gewicht der Fahrzeuge ist gering.

Allgemein gilt immer, dass Schienen und Räder gereinigt sein müssen, um eine gute Stromübertragung zu gewährleisten. Die Sauberkeit bezieht sich nicht nur auf Staub und Verunreinigungen, sondern auch auf Oxidation. Bei gelegentlichem Hobby-Modellbetrieb an jedem dritten Wochenende startet die Modellbahnerei mit einer Reinigungsorgie. Insgesamt ist das Thema Schiene und Strom leidlich.

Einige Entwicklungen der Modellbahnindustrie lassen auf Besserung hoffen. So bietet das 3-Leiter-Gleis mehr Kontaktfläche, und große Kondensatoren (Gold-Caps), die inzwischen auch für den Digitalbetrieb geeignet sind, versorgen die Fahrmotoren während einer Stromunterbrechung weiterhin.

Eigentlich möchte ich gar keinen Schienenstrom nutzen und schaue neidisch auf die Echtdampf- und Akku-Fahrer. Feldbahnfahrzeuge – vornehmlich Diesel – mit Akkus zu betrieben, ist ab einer bestimmten Baugröße durchaus realisierbar. Die Akkus sind in den letzten Jahren kleiner und leistungsfähiger geworden. Miniaturisierungen im Flugmodellbau zeigen die Innovation der Lithium-Polymer-Akkus.

Wenn das Fahrzeug seine Fahrspannung nicht mehr über die Schiene bezieht, erhalten wir folgende Vereinfachungen:

  • Die Anzahl der Achsen und die Art der Lagerung sind nicht mehr so wichtig, wobei gefederte Achsen oder eine Pendelachse im Akkubetrieb die Auflagefläche der Lok auf der Schiene erhöhen und damit eine besondere Spezialität sind.
  • Auf Schleifkontakte und deren Reinigung kann verzichtet werden.
  • Eine Spannungseinspeisung oder gar Digitalsteuerung ist unnötig.
  • Die Verkabelung einer Modellbahnanlage wird im Bereich von Drehscheiben, Kehrschleifen und Weichen viel einfacher.
  • Gleise können schief und krumm sein, die sichere Auflagefläche ist zweitrangig.
  • Es können Achsen und Räder aus Vollmetall verwendet werden. Gerade im Bereich der Feldbahnen werden sonst Räder mit Kunststoffkern zur elektrischen Isolierung eingesetzt.

Gegen die Vorteile sprechen auch einige Nachteile:

  • Die Kapazität von Akkus ist begrenzt. Nach dem Fahrspaß muss die Maschine ans Ladegerät. Je nach Baugröße der Lok kann die Fahrdauer im Bereich von Stunden liegen.
  • In der letzten Zeit hat sich die Digitalsteuerung besonders in Verbindung mit Soundmodulen hervorgetan. Geschwindigkeitsabhängiger Sound ist eine wunderbare Eigenschaft.

Ich finde, dass die Vorteile für mein Hobby, bei dem ich eher gelegentlich fahre, überwiegen. Lediglich das Thema Sound ist wohl ein schmerzvoller Verlust. Dennoch soll der Schienenstrom weg. Wichtig ist neben der energetischen Frage natürlich die Steuerung. Der Transformator im analogen Betrieb und die Digitalzentrale im digitalen Betrieb können die Fahrgeschwindigkeit und Fahrrichtung beeinflussen. Wie geht das im Akkubetrieb? Geeignet sind neben den Funkfernsteuerungen, die auch bei Echtdampflokomotiven eingesetzt werden, die Infrarot-Steuerungen.

Eine Zeit lang experimentierte ich mit der Lego Fernsteuerung. Der Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger muss jedoch vorhanden sein und auch bleiben. Das bessere Konzept liegt wohl in den Funkfernsteuerungen, die seit kurzer Zeit auch für Modellbahnen attraktiv geworden sind. So bietet das DelTang-System 2,4 GHz Funktechnik mit kleinen Empfängern. Die Sender sehen nicht mehr so aus, wie wie es von Fernsteuerungen, z.B. aus dem Flugmodellbau, gewohnt waren. Diesem Thema widme ich einen eigenen Artikel.