Noch eine Feldbahn Flachlore

Auf der Suche nach der idealen Eigenbau-Lore habe ich noch einen Versuch mit Messing-Profilen gewagt. Heraus kam ein netter „leichter“ Plattformwagen. Ob diese Konstruktion für eine private Kleinserie taugt?

Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal eine Lore aus Messing-Profilen gebaut (siehe Artikel Feldbahn Flachwagen). Diese war aufgrund der verbauten Achslager und Regner-Metallachsen eine schwere Ausführung. Nachdem ich jetzt von Herrn Gawron (Fermatec) vorbildgetreue Feldbahnräder erhalten habe, wollte ich einen Prototypen für eine Lorenserie anfertigen.

Ausgangspunkt waren die neuen Räder, die mit einen Raddurchmesser von 15,5 mm den weit verbreiteten 350 mm Feldbahnrädern im Vorbild entsprechen. Standard-Loren hatten diese Radgröße. Die Modellräder sind aus Edelstahl und haben eine 3 mm Bohrung. Ein Isolierkern aus Kunststoff ist nicht vorhanden. Das heißt, die elektrische Isolierung muss angefertigt werden. Es können beispielsweise 2 mm Stahlachsen verwendet werden, auf die ein hohles 3 mm Kunststoff-Rohr aufgesetzt wird. Anders dagegen die bei Mammut erhältlichen kompletten Feldbahnachsen mit Kunststoffkernen. Das linke Rad in der Abbildung wurde nachträglich brüniert.

Konstruktion

Die für mich wichtigste Frage sind die Achslager, da diese nicht so einfach zu bekommen sind. Für 3 mm Achsen hatte ich bereits Achslager von RS-Modelle verwendet, die jedoch viel zu groß sind. Also blieb nur der Eigenbau. Als Vorlage haben mir die Achslager des Regner-Sägewerkwagens gefallen, die auch beim Schienenkuli (auch von Regner) montiert sind. Bei Regner bestehen diese aus einem Stück, in meiner Werkstatt muss ich sie aus 2 Komponenten zusammensetzen.

Also nahm ich eine 2 mm Messingstange als Grundfläche und ein Messingrohr mit 2 mm Innendurchmesser. Beide Komponenten habe ich mit der Flamme verlötet. Das Ganze war dann eine Stange, aus der ich einer Säge jede Menge einzelne Achslager anfertigte.

Die Achslager werden mit M 1,4 Schrauben am Lorenrahmen befestigt. Auf den Bildern ist noch ein Muster zu sehen, das zeigt, wie das Achslager später am Lorenrahmen befestigt wird. Ich habe kein Gewinde geschnitten, sondern die Bohrungen durch das U-Profil geführt. Die Länge der Schrauben passt auch perfekt. So wurden auch die Achslager beim Regner-Schienenkuli befestigt. Auch die Regner-Lorenrahmen aus Kunststoff haben angedeutete durchgehende Schrauben. Kürzere Schrauben und ein geschnittenes Gewinde hätten sich auch gut ausgesehen.

Warum habe ich überhaupt Schrauben verwendet? Die Montage der Achsen in den fertigen Lorenrahmen ist immer ein Problem. Selbst bei den Regner Loren aus Kunststoff muss der Rahmen gefährlich weit gespreizt werden. Auch bei den Messing-Loren von Mammut und Ècore fand ich das Auseinanderbiegen des Rahmens nervig. Deshalb die Schrauben, damit die Achslager vor dem Einsetzen der Achsen abgenommen werden können.

Im nächsten Arbeitsschritt ging es an den Lorenrahmen. Er besteht aus Messing-U-Profilen 3 * 6 mm, die es z.B. bei Knupfer gibt. In der Mitte habe ich einen zusätzlichen Steg zur Verstärkung montiert. Die Länge des Lorenrahmens beträgt 90 mm und die Breite 45 mm.

Die Profile wurden mit Lötzinn, Lötwasser und einer heißen Flamme verlötet. Durch den mittleren Steg ist die Konstruktion ausreichend stabil. Im nächsten Schritt wurden die Löcher für die Achslager gebohrt. Beim ersten Versuch tat ich mich schwer bei den Bohrungen. Wegen der kleinen Teile habe ich die Bohrungen nicht exakt an den gleichen Stellen setzen können. Deshalb konnte ich die zugehörigen Bohrungen am Rahmen nicht einfach anzeichnen und bohren, sondern musste jedes Achslager individuell behandeln.

Auch die Lorenkupplungen habe ich selbst gestaltet, sie entstand aus Messing-L-Profil. Die Bilder zeigen den fertigen Wagen vor der Farbgebung.

Dieses Mal verwendete ich keine Farbe, sondern das Schwarzfärbebad Pariser Oxid. Das Zeug ist nicht ganz ungefährlich und war auch nicht einfach zu bekommen. Messing wird in kurzer Zeit schwarz.

Zu Beginn des Artikels zeigte ich ein Bild mit einem gefärbten Feldbahnrad. Auch die Edelstahlräder habe ich in der Brühe versenkt. Allerdings ist hier die Wirkung nicht so stark wie bei Messing. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Teufelszeug die Oberfläche wirklich angegriffen hat. Es sieht eher so aus, als wäre die Färbung oberflächlich und geht wieder ab.

Mehr ist an dem Lorenrahmen nicht zu tun. Der Aufbau besteht wie immer aus Holz. Für die Achslager-Schrauben musste ich entsprechende Aussparungen anfertigen.

Trotz des großen Maßstabs duldet der Modellbau keinen Pfusch. Die Achslagerbohrungen am Lorenrahmen waren erst etwas schief, sodass die Achse nicht exakt rechtwinklig saß. Auch gab es wieder Verkantungen, da die 2 mm Achse wenig Luft in der Messinghülse hat. Ich musste die Löcher am Lorenrahmen und an den Achslagern etwas vergrößern bzw. länglich fräsen. Erst dann hatte ich genügend Spiel für die feine Justierung.

Fazit

Die Größe der Lore ist vorbildgetreu und entspricht etwa der Mammut-Lore. Gewöhnlich sind ja Lorenrahmen oval, d.h. ein gebogenes U-Profil wird verwendet. Dennoch finden wir in den noch erhaltenen Feldbahnmuseen bzw. in der Literatur immer wieder Bilder von eckigen Lorenrahmen. Das mit dem Biegen werde ich mal probieren, sonst gefällt mir diese Konstruktion sehr gut. Sie könnte als Basis für diverse Stirnwand- bzw. Kastenwagen dienen. Zum Abschluss noch einige Bilder des Fertigen Modells.

Feldbahn-Flachlore

Nachtrag 2014

Mittlerweile ist das Thema 3D-Druck in aller Munde und auch Teile für Modellbahnen können in Kunststoff erstellt werden. Eine gedruckte Lore ist eine Idee für einen anderen Artikel.