Grubenbahn in GN15 - geht das?

Begeistert von schmalen Spuren und engen Radien wollte ich mal einen Blick in Richtung GN15 wagen. Fertige Antriebe und Gleise von der Stange sprechen für schnelle Fortschritte. Wird so ein Projekt glücken?

Was ist GN15

Die 15 steht für 15 Zoll und damit sind die umgerechnet 381 mm Spurweite des Vorbilds gemeint. Das ist ein ganzes Stücke enger als die 500 oder 600 mm der Feldbahnen. Tatsächlich wurden 15 Zoll Eisenbahnen als Park- und Vergnügungsbahnen gebaut. Jedoch ist nicht einfach nur die Spur enger, sondern die Fahrzeuge sind viel kleiner, sodass diese Bahnen auch als Liliputbahnen (siehe unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Liliputbahn) bezeichnet werden.

Was soll das Ganze im Modellbau? Im Maßstab 1:22,5 sind 381 mm Spurweite ca. 16,5 mm. Dafür können H0 oder 0e Gleise verwendet werden. Für diesen lustigen englischen Trend gibt es auch einige Fahrzeughersteller, deren Fahrzeuge entsprechend den Liliputbahnen sehr klein ausfallen. Der Maßstab ist aber immer noch Gartenbahn, die kleinen Bahnen wirken witzig neben den großen Figuren und Gebäuden. Dennoch lassen sich in GN15 kleinere Anlagen bauen, weil die Gleisanlagen viel weniger Platz benötigen, die Züge kürzer und die Radien enger sind. Das alles ist wenig vorbildgetreu, das ist jedoch auch nicht das Ziel der GN15-Bauer. Im Gegenteil, der Modellbauer kann einfach seiner Fantasie freien Lauf lassen und es ist immer alles richtig.

Mein GN15

Bislang haben mich die kleinen Bahnen noch nicht begeistert. Interessant finde ich jedoch die kleine Spurweite nach dem Motte: Je schmaler, desto besser. Durch sehr enge Radien kann auf einer kleinen Grundfläche viel Betrieb stattfinden. Dazu kommt noch ein wichtiger Aspekt: Es kann fertiges Gleismaterial aus den H0 oder 0e Regalen genutzt werden. Nicht jeder mag Gleise und Weichen selbst bauen, und mit engeren Gleisen wird der Bau auch schwieriger. Da viele GN15 Bahner nicht so nah am Vorbild arbeiten, ist es auch nicht schlimm, wenn H0-Gleise verwendet werden, deren Schwellenmaße und -Abstände ja überhaupt nicht passen.

Mit den typischen GN15-Materialien von Pepper7 und anderen Herstellern mag ich nicht so richtig arbeiten, aber eine Grubenbahn mit selbst gebauten Fahrzeugen sollte doch gehen.

Thema

Zur Abwechslung meines Modellbau-Alltags (eine Modellbahn habe ich noch nicht) wollte ich ein kleines Feldbahn-Diorama im Maßstab 1:22,5 bauen. Wegen der kleineren Platzverhältnisse sollte die Spurweite kleiner als meine sonst verwendeten 30 mm werden. Die 16,5 mm der H0-Spur sind viel schöner schmal als alternative 22 mm (500 mm Vorbild). Thema sollte ein Stück Grubenbahn sein mit einer Akkulok und ein paar Loren.

Mein Hauptblick bei diesem Projekt sollte auf dem Dioramen-Bau und der Landschaftsgestaltung liegen. Deshalb und weil ich in der kleinen Spurweite nicht so viel selbst bauen will, sollte bei den Gleisen und Fahrzeugen weitestgehend fertiges Material eingesetzt werden. Bei den Gleisen gefällt mir das PECO 0e-Gleis sehr gut. Als Fahrzeug hatte ich eine B360 Akkulok gedacht, in die ein fertiges H0-Fahrwerk eingebaut wird. Die Steuerung sollte via Funk und der Betrieb mit Akku erfolgen. Eine Akkulok mit Akku - das ist wirklich vorbildgetreu.

Akkulok B360

Vor längerer Zeit baute ich eine Akku-Lok B360 im Maßstab 1:22,5 mit einer Spurweite von 30 mm. Da Akkuloks früher in Gruben bzw. Bunkern und auch im Werksverkehr viel unterwegs waren, sollte sich dieser Loktyp auch für mein Bauvorhaben eignen. Also plante ich wieder eine B360, weil dieses moderne Fahrzeug wenige Rundungen und Detaillierungen aufweist und damit einfach zu bauen ist. Die B360 wurde ab Ende der 70er Jahre gebaut. Frühere Loks waren die EL9 und die Metallist, zu denen ich allerdings kaum Unterlagen besitze. Für die B360 finden sich hier und da verwertbare Zeichnungen.

Meine damals gebaute B360 war wegen der Spurweite und des gewählten Akkus sowie der großen Steuerplatine viel größer als die maßstäbliche Umrechnung. Das war jetzt die Chance zum Bau eines maßstäblichen Modells. Also wieder erst einmal ein Kartonmodell.

Im Hintergrund ist meine früher gebaute B360 zu sehen. Sie ist doch ein ganzes Stück größer, woran lag das doch gleich? Bei der Umsetzung musste ich einige technische Parameter beachten. So ist Lok ein ganzes Stück breiter wegen der Spurweite von 30 mm. In den Batteriekasten musste ein NiCd-Akku sowie eine Lego-Infrarot Platine untergebracht werden. Anhand der Platinengröße ergaben sich die Breite und die Höhe des Akkukastens, der dann natürlich nicht mehr maßstabsgerecht war. Der Rest der Lok wurde entsprechend gestreckt.

Der neue Prototyp wirkt entsprechend schlanker, einen passenden Lokführer habe ich derweil noch nicht gefunden. Aber passen auch alle Komponenten hinein?

Der Akkukasten hat die richtige Größe für einen 750 mAh LiPo-Akku mit einer Zelle. Darüber passt ein DelTang-Funkempfänger und ein Booster, der die Versorgungsspannung von 3,7 V auf 9 V oder 12 V anhebt.

Als Antrieb scheidet ein Eigenbau wegen der schmalen Spur für mich aus. Ein fertiger Antrieb muss her. Neben den hervorragenden Faulhaberantriebsblöcken von SB-Modellbau gibt es auch Alternativen. Ich probierte einen Tenshodo-Antriebsblock mit einem Achsabstand von 31 mm aus. Der Antrieb ist sehr flach und ragt nicht in das Akkufach hinein, sodass dort genügend Platz für die anderen Komponenten vorhanden ist.

Antriebsfragen

Auf den Antrieb möchte ich etwas näher eingehen. Für H0 (Spurweite 16,5 mm) gibt es fertige Antriebsblöcke von verschiedenen Herstellern:

Die Fahrwerksrahmen der GN15-Loks von Pepper7 sind für Halling, Black Beetle und *Tenshodo-Antriebe ausgelegt. Aber was steckt in so einem Antrieb?

Für meine Versuche habe ich einen Tenshodo-Antrieb WB31 mit einem Achsabstand von 31 mm bestellt. Die Räder haben einen Durchmesser von 10,5 mm. Im Inneren des Antriebs geht es aufgeräumt zu:

Beide Achsen werden durch einen 5-poligen Motor angetrieben. Die Stromaufnahme erfolgt an beiden Achsen. Der Antrieb ist voll gekapselt, sodass Wärme bei Dauerbelastung kaum abgeleitet wird. In Internet-Foren las ich von Modellbahnern, die verschmorte Gehäuse im Dauereinsatz beklagten.

Die fehlende Schwungmasse ist mir nicht so wichtig, da die Lok später mit Akkustrom fahren soll. Eine andere interessante Frage ist der Raddurchmesser. Als Standard hat der Antrieb einen Raddurchmesser von 10,5 mm. Das ist ja sehr viel kleiner, als die 22 mm, die sich aus der maßstäblichen Umrechnung der 500 mm (Radscheibe Ns2 oder B360) im Vorbild ergeben würden. Es sind Achsen mit Raddurchmessern von 14 mm als Zubehör erhältlich, die optisch gleich viel besser aussehen.

Die Abbildung zeigt 10,5 mm Räder am Antrieb, rechts daneben 14 mm Radscheiben und noch weiter rechts 17 mm Gawron-Radscheiben (Diema-Räder). Nun könnte man die Achsen einfach tauschen, wenn da nicht noch ein anderes Problem wäre.

Im Moment kann ich die Höchstgeschwindigkeit des Antriebs noch nicht messen, gefühlt rast der Block jedoch über die Strecke. Eine Vergrößerung des Raddurchmessers führt zu einer Geschwindigkeitserhöhung, die eigentlich unerwünscht ist. Rein optisch sind die größeren Räder ein Muss.

Zum Abschluss noch zwei Bilder zum Vergleich Tenshodo- und Regner-Antrieb, wobei letzterer für Feldbahn-Fahrzeuge im Maßstab 1:22,5 und 30 mm Spurweite verwendet wird.

Lok-Konzept

Wie passt der Tenshodo-Antrieb in die Lok?

Sieht schon mal nicht schlecht aus, oder? Ein wenig Sorgen bereitete mir die die Länge des Antriebs im Verhältnis zur Lok-Gesamtlänge. Das Gewicht muss sehr gut ausbalanciert sein, damit die Lok nicht kippt. Das hat also seinen Grund, warum die Pepper7-Fahrzeuge so klein sind.

Die erste Stellprobe des GN15-Musters (Maßstab 1:22,5) auf virtuellen 0e-Gleisen (Maßstab 1:45) sieht vielversprechend aus.

Zweifel

Nach einigen Überlegungen habe ich mich zum Abbruch meines Bauvorhabens entschieden. Es passt eben noch nicht alles perfekt zusammen. Der kleine Antrieb in der großen Lok sitzt zu wabbelig auf den Schienen, das kann mit Schienenstrom nicht stabil funktionieren. Bei Akkubetrieb müsste mit einem Booster gearbeitet werden und da ist das Fahrverhalten des Antriebs bei kleinen Geschwindigkeiten noch zu unklar. Auch müssten größere Scheibenräder verwendet werden, die jedoch die Höchstgeschwindigkeit erst einmal erhöhen.

In der Zwischenzeit habe ich ein wenig über 22 mm als Spurweite mit einem Eigenbau-Antrieb nachgedacht. Auch ein fertiges Fahrwerk von SB-Modellbau und doch 16,5 mm Spurweite könnten machbar sein. Leider gibt es die fertigen Fahrwerke nicht mit 3 oder 6 V Motoren, sodass die Lok doch wieder mit Schienenstrom fahren müsste. Die Technik mit dem Booster an einem 3,7 V LiPo-Akku habe ich noch nicht probiert.

Vielleicht kommt das Thema mit einer kleineren Lokidee noch einmal wieder.