Schnelle Gleisherstellung mit Gleisbauformen

Fertiges Gleismaterial für Feldbahnen im Maßstab 1:22,5 und 22 mm Spurweite wird nicht hergestellt. Da bleibt nur der Selbstbau. Mittels Formen möchte ich den Gleisbau erheblich beschleunigen und fertige Stückgleise herstellen.

Übersicht

Die Idee der Stückgliese besteht darin, dass gerade und gebogene Gleisstücken vorab hergestellt werden. Das aufwendige Verlegen des Gleismaterials auf der Anlage soll entfallen. Im ersten Schritt möchte ich folgende Stückgleise bauen:

  • gerades Gleis, 162 mm lang (5 Schwellen)
  • gebogenes Gleis, 150 mm Radius, 30° (12 Stück für einen Kreis)

Die Gleise werden sehr einfach angefertigt. Die Schienenprofile werden auf die zugesägten Schwellen aus Leiterplattenmaterial (einseitig mit Kupfer beschichtet) aufgelötet. Da durch die Schienen kein Strom fließt, braucht die Isolierung nicht betrachtet zu werden.

Für die Gleismontage möchte ich Formen aus Holz fräsen, in die die Schwellen und Schienenprofile gelegt werden. Damit sind die Abstände bereits definiert. Dann nur noch verlöten und fertig ist das Gleis. Bei den gebogenen Gleisen wird das Gleisprofil mit der Biegemaschine (siehe Artikel) vorab gebogen.

Stückgleis

Die Form wird aus einem Stück Holz gefräst. Für die Schwellen wird die Vertiefung insgesamt 4,5 mm gefräst. Die eingelegte Schwelle hat somit Halt und das Schienenprofil kann aufgelegt werden. Danach werden Schwellen und Profil miteinander verlötet.

Gerades Gleis

Das gerade Stückgleis sieht schematisch so aus:

Die Spurweite beträgt im Modell 22 mm, was im Vorbild 500 mm entspricht. Ich baue die Gleise mit 23 mm Spurweite, da die Radscheiben breit genug sind. In der Abbildung sind es nur 21,4 mm, weil hier der Schienenfuß bemaßt wurde.

Die Form sieht etwas so aus. Die Maße zeigen, das die Ausschnitte etwas größer anzulegen sind. So wird bei den Schwellen auf jeder Seite ein Millimeter hinzugerechnet. Beim Gleisprofil sind es hingegen nur 0,5 mm gesamt.

Die grauen Flächen werden 4,5 mm tief ausgefräst und die schwarzen Flächen 3,2 mm.

Die Visiozeichnung habe ich im nächsten Schritt mit QCAD nachgezeichnet.

Hier wieder die zwei Farben für zwei verschiedene Frästiefen. Die zusätzlichen Aussparungen an den Schwellenenden erleichtern das Fummeln mit der Lötspitze.

Die fertige technische Zeichnung hier zum Download: Zeichnung gerades Gleis (151.01 kB)

gebogenes Gleis

Das gebogene Gleis hat einen Radius von 150 mm und einen Winkel von 30°. Dieser Winkel bestimmt die Länge des Gleisbogens. 12 dieser gebogenen Gleise werden für einen Kreis benötigt.

Für ein 30° Stück werden 3 Schwellen benötigt. Der Abstand zwischen den Schwellen ist etwas kleiner als die 35 mm der geraden Gleise. Der Abstand zum Schienenstoß ist wiederum gleich, somit können Schienenverbinder des Gleisprofils benutzt werden.

Die fertige technische Zeichnung hier zum Download: Zeichnung gebogenes Gleis (127.99 kB)

Formherstellung und Gleismontage

Schwellen aus Leiterplattenmaterial (Dachschwellen-Imitate) sowie Gleisprofile werden vor der Montage zugeschnitten.

Für alle Sägearbeiten nutze ich eine kleine Proxxon-Kreissäge. Für die Schwellen nehme ich das einfache Sägeblatt aus Stahl (Artikel Proxxon 28020). Das Sägeblatt wird bei diesem Material schnell stumpf, sodass ein kleiner Vorrat an Sägeblättern gut ist. Das viel teurere Hartmetall-Sägeblatt hat eine bessere Haltbarkeit. Gleisprofile sägte ich in der Vergangenheit auch mit dem Stahl-Kreissägeblatt von Proxxon, wobei das harte Material dem Sägeblatt sehr zu schaffen macht. Es wird bereits nach wenigen Schnitten stumpf. Auch das Hartmetall-Sägeblatt verhält sich hier nicht besser. Jetzt habe ich mal die Trennscheibe (Artikel Proxxon 28154) für den Profilzuschnitt ausprobiert. Es macht beim Sägen eine viel bessere Figur und ist standhafter und viel billiger als die Stahl-Kreissägeblätter. Diese Trennscheibe ist das Werkzeug für den Gleisprofil-Zuschnitt.

Auf der Stepcraft-Fräse habe ich die oben gezeigten Zeichnungen mit einem 2 mm Fräser in Birkensperrholz gefräst.

Für die Montage der geraden Gleise werden Schwellen und die zugeschnittenen Schienenprofile in die Form gelegt.

Die Schwellen haben in meiner Form etwas Spiel nach allen Seiten, was jedoch nicht weiter schlimm ist. Die Profile werden mit den Schwellen verlötet. Dazu habe ich einen 60 W Lötkolben und Flussmittel benutzt. Das Ergebnis ist sehr stabil.

Für die gebogenen Gleise habe ich die Profile vorgebogen. Vor einigen Jahre baute ich so eine Profilbiegemaschine.

Der gelöteten Stückgleise wurden mit Spiritus vom Flussmittel gereinigt und mit Airbrush rostbraun gespritzt. Die Schienenoberkanten müssen nicht von der Farbe bereit werden, da hier kein Strom durchfließt.

Weitere Formen

Bei den ersten Stellproben der gebogenen Gleise überkam mich ein gewisses Unbehagen. Das ist schon sehr eng. Jede kleine Kante an den Übergängen der Gleisstücke führt sofort zum Entgleisen der Lok-Achsen. Das ist umso schlimmer, je größer der Bogen ist. Also einen Halbkreis mit 150 mm Radius ist schon eine Herausforderung. Deshalb habe ich gleich noch zwei weitere Formen mit Radien von 200 mm und 250 mm angefertigt.

Insgesamt stehen jetzt Formen für drei Radien sowie ein gerades Gleis zur Verfügung.

Als ich die Stückgleise so lagen sah, viel mir die Ähnlichkeit zu Gleisattrappen von Auhagen auf. Dort gibt es auch ein gerades Stückgleis mit 5 Schwellen und 30° gebogene Gleise mit 3 Schwellen. Das Ganze im Maßstab 1:87. Der Radius beträgt umgerechnet auf das Vorbild 5 m (Im Modell 57,5 mm). Im Maßstab 1:22,5 sind das ca. 220 mm.