Henschel DG39 von Regner

In 2010 erstand ich eine Feldbahnlok DG 39. Die im Modell von Regner gebaute Lok wurde ursprünglich von der Firma Henschel entworfen und gebaut. Da das Modell vollständig aus Kunststoff besteht und langweilig wirkt, sollte es richtig schick verbessert werden. Über den langen Weg einer Lok, die einmal etwas Besseres sein wollte…

Überblick

Eher zufällig fand ich eine zum Verkauf angebotene Regner-Lok und fortan schmückte sie meine Vitrine. Für mich wirkt die Lok recht langweilig, sodass einige Verbesserungen auf der Liste standen. Im Laufe der Zeit habe ich das Modell mehrmals umgebaut und jetzt ist etwas daraus entstanden, was ich zu Anfang nicht vorhatte. Aber der Reihenfolge nach.

Das Modell besteht vollständig aus Kunststoff, die Lokpuffer sind aus Metall gefertigt. Unter der Motorhaube ist ein riesiges Gewicht, das dem Modell einiges an Masse mitgibt. Das Modell war bereits ein wenig gesupert. Die Teller-Puffer, die Beleuchtung und der Tankstutzen weichen vom Standard ab.

Diesen Motorblock verwendet Regner in allen Feldbahnmodellen, sogar in der Waldbahnlok Kathi. Der Antrieb wird seit vielen Jahren gefertigt, Details wurden in der Zwischenzeit immer mal wieder geändert. In der MIBA 20 aus 1994 stellte Rolf Knipper eine Feldbahnanlage mit Regner-Materialien vor. Auch hier kam die DG 39 bereits vor. Das war vor 20 Jahren - so etwas nenne ich mal stabiles Angebot. Das hier abgebildete Exemplar ist tatsächlich schon etwas älter. Für die Stromaufnahme werden Kugelkontakte verwendet. Solche stabilen Kontakte verwendet Herr Heinrich auch bei den LKM N2s-Modellen, käuflich erwerbbar sind diese Artikel beispielsweise bei Munz.

Bei den neueren Antrieben übernimmt dies ein Federblechstreifen. Außerdem besitzen die Radachsen meines Antriebs noch keine Bohrungen, sodass der separat erhältliche Stangenantrieb hier nicht montierbar ist.

Im Inneren tut ein Motor (vielleicht Bühler?) sein Werk und überträgt die Bewegung über ein Zahnradgetriebe auf die Achsen. Tatsächlich hat das Modell hervorragende Langsamfahreigenschaften. Aber der Antrieb macht ordentlich Krach.

Alle 4 Räder dienen der Stromaufnahme, leider sind die Achsen nicht pendelnd gelagert, sodass die Stromaufnahme nicht angenehm ist.

Ein Blick auf das Original

Ab Ende 1933 lieferte Henschel die ersten Loks der DG-Reihe (Diesel-Getriebe Lok) aus. Sie waren vorrangig für den Feldbahnbereich vorgesehen. Die DG 39 wurde ab 1937 gebaut und hatte einen 3-Zylinder-Motor mit einer Leistung von 39 PS. Der Antrieb erfolgte über Stangen und eine Blindwelle. Die Produktion endete 1949. Die ca. 10t schwere Lok konnte 2,5t ziehen. Sie zählt damit schon zu den größeren Feldbahn-Lokomotiven, im Vergleich wiegt die LKM Ns2f ca. 6t.

Das Regner-Modell hat kein Stangenantrieb und könnte eher eine DG 26 darstellen. Optional kann ein Stangenantrieb nachgerüstet werden, wobei die Blindwelle nicht dargestellt wird. Das geht jedoch nur mit den Antrieben, die Gewindebohrungen in den Antriebsachsen besitzen. Interessanterweise gibt es das Modell auch offen und wird als DG 26 bezeichnet. Diese Lok besaß tatsächlich einen Kettenantrieb auf beide Achsen und benötigte damit keine Stangen. Im Vorbild war jedoch die DG 26 kleiner als die DG 39. Modellbahn ist halt immer ein Kompromiss.

Umbauwünsche

Digital mit DCC und Sound

Neben den anstehenden Umbauten am Fahrwerk und an der Karosserie stand gleich zu Anfang die Frage nach dem Antrieb. Ab Werk war sie erst einmal analog. Nach einer ersten Idee sollte die Feldbahn-Lok einen Digitaldekoder erhalten. Da noch ein Dietz-Soundmodul mit SUSI-Schnittstelle vorhanden war, musste nur ein Dekoder beschafft werden. Die Wahl fiel dabei auf einen Lenz-Dekoder Gold+ mit Speicherbaustein Power 1. Ein Speicher ist unbedingt erforderlich, da die Lok Dank des untersetzten Getriebes zwar langsam fährt, jedoch kaum Auslauf bei Stromunterbrechungen hat. Der Motor in dem gekapselten Getriebe hat zudem keinerlei Schwungmassen. Jede kurzzeitige Unterbrechung bringt das Fahrzeug sofort zum Stehen.

Der zweite Dekoder von links ist das Lenz-Modell, alle anderen stammen noch aus meiner Selectrix-Zeit. Die im rechten Bild gezeigt Kombi aus Dekoder, Soundmodul und Powerpack sieht kompliziert aus, kann aber gut in der Lok verstaut werden. Der Lautsprecher ist klein und klingt ohne Schallkapsel grässlich. Deshalb habe ich eine abgedichtete Kapsel gebaut, damit der Klang besser wird. Viel ist von dem kleinen Lautsprecher natürlich nicht zu erwarten. Die Box ist so groß, dass sie genau in den Vorbau passt und den Schall über das vordere Lüftungsgitter freisetzen kann.

Nach dem ersten losen Probeaufbau wurde klar, dass der Lokvorbau gut gefüllt wird und kaum Platz für Gewichte zur Erhöhung der Masse vorhanden ist. Außerdem war zu dieser Zeit gerade ein neuer Trend da – Akkuantrieb und Fernsteuerung. Also das Konzept der digitalen Steuerung über die Schiene verworfen und…

Akku-Betrieb und Fernsteuerung

Fernsteuerungen und Akkubetrieb bringen frischen Wind auf die Modellbahn. Alle Störquellen der Stromübertragung über die Schiene sowie komplexe Aufwände in der Verkabelung von Weichen und Kehrschleifen entfallen. Gerade habe ich erste Versuche mit der Infrarot-Fernsteuerung von LEGO unternommen. Eine etwas später gebaute BBA 360 Akkulok hat genau dieses Antriebskonzept gehabt, bevor noch später ein Umbau auf das Deltang-Funksystem erfolgte.

Der Sender muss Sichtverbindung mit dem IR-Empfänger auf der Platine haben. Deshalb kommt nur ein Einbau in stehender Position im Motorraum in Frage.

Das damalige Lego-System wurde auf Seiten des Empfängers mit 6 V betrieben, mehr durfte nicht sein. Das vertrug sich nicht mit dem 12V-Antrieb des Regner-Modells. So kam nur ein Motorentausch oder ein neues Fahrwerk in Frage. Damit könnte auch gleich das Problem des viel zu großen Achsabstands beim Regner-Antrieb gelöst werden.

Mit 4 Radscheiben 22 mm von Herrn Gawron, die übrigens gleich groß wie die Regner-Räder sind, und einigen Teilen von Herrn Hettler (Ketten und Kettenräder) sollte so ein Antrieb entstehen. Basis war ein Getriebemotor mit 6 Volt und 100 U/min. Warum kein Glockenanker-Getriebemotor? Zu dem Zeitpunkt war mir unklar, ob der Lego-Empfänger den Faulhaber-Motor richtig ansteuern kann und für den Test war kein geeignetes Exemplar vorhanden.

Den Aufbau des Fahrwerks wollte ich in zwei Teile gruppieren. Das Fahrwerk selbst enthielt die Achsen und eine Kettenverbindung. Der Motor sollte in einer separaten Einheit darüber angebracht werden. Wie auf den Bilder gesehen, habe ich viel Mühe (z.B. Kugellager) betrieben, dennoch wollte das Vorhaben nicht richtig glücken. Später habe ich einen funktionieren Antrieb für eine Diema DS12 gebaut, der einen länglichen Motor stehend und eine 90° Umlenkung via Kegelräder besitzt.

Nun ja, der angefangene Antrieb blieb auf der Strecke und die Lok in Vergessenheit.

Roll-Modell

2014 kam mir die Regner-Lok wieder in den Sinn. Was nun mit dem Antrieb tun? Eigentlich war mittlerweile gar kein Bedarf mehr für eine digitalisierte Lok, da in meiner Vitrine neben je einer LKM Ns2 und Ns2f eine Waldbahn-Dampflok Decauville Typ 3 sowie ein Strüver-Schienenkuli Platz gefunden haben. Und es gibt noch eine Diema DS12 und besagte Akku-Lok BBA B360 - beide mit Funk-Fernsteuerung. Dennoch wollte ich das vor langer Zeit angefangene Lokgehäuse fertigstellen. Da ich für den Antrieb noch kein richtiges Konzept gefunden hatte, sollte aus der Lok ein Rollmodell werden. Dazu habe ich den Motor und Teile des Getriebes aus dem Motorblock entfernt. Der jetzt leichtere Motorblock passte natürlich noch an die gleiche Stelle innerhalb der Lok. So kann das Modell in Traktion mit einer anderen Lok fahren. Eine spätere Motorisierung, Digitalisierung und Soundifizierung ist nicht ausgeschlossen.

Verbesserung Fahrwerksrahmen

Eines der Hauptziele bei diesem Umbau war das Tuning des Lokrahmens. Alle Regner-Dieselloks verwenden die gleiche Form und sehen sich alle ähnlich. Mittels Achslagern, Federn und Lokpuffern von RS-Modelle wollte ich ein neues Fahrgestell bauen.

Die Variante des kompletten Neubaus aus PVC hatte ich wieder verworfen, da das Original-Teil doch viele Details wie Nieten etc. aufwies, die ich nicht unbedingt nachbilden wollte. Der Original-Rahmen sollte erhalten bleiben und nur einige Dinge wurden ausgetauscht.

Die neuen Radlager und Federnpakete aus Weißmetall benötigten einen glatten Untergrund. Ich habe den alten Fahrwerksrahmen zerschnitten und die Seitenteile mit den angespritzten Achslager-Imitaten herausgetrennt. Diese habe ich aus einseitig kupferbeschichtetem Basismaterial nachgebaut.

Die Achslager von RS-Modelle sehen gut aus und haben einige Details. Andere Details wie die Nieten und Ausschnitte habe ich selbst angebracht. Hier noch einige Impressionen des fertigen Fahrwerkrahmens vor der Lackierung.

Verbesserung Karosserie

Auch die Karosse der Lok sollte einige Veränderungen erhalten. Neben etwas größeren Nieten sollte der Vorbau ein feines Lüftungsgitter erhalten. Die Lok war gut mit Plastikkleber behandelt, sodass die Demontage nicht ohne Spuren erfolgte. Für die Bohrungen der Nieten musste ich jedoch das Modell in seine Einzelteile zerlegen.

Einige Messing-Nieten an allen Seiten der Loks wurden gesetzt, im Bereich der Fenster Motor-Abdeckungen sind besonders viele Nieten-Imitationen, die ich nicht ersetzt habe. Anschließend wurde das Lokgehäuse mit Kunststoff-Kleber wieder zusammengesetzt. Die bei der Demontage verbliebenen unsauberen Kanten blieben jetzt als Spalte übrig. Mit ein wenig Spachtelmasse wollte ich die Spalte schließen.

Der Verbindung des Führerhauses mit dem Vorbau habe ich nicht beibehalten. Statt dessen habe ich eine GFK-Platte angefertigt und beide Teile darauf geklebt. Das gesamte Bauteil kann nun auf den Rahmen geschraubt werden.

Die Türen am Führerstand wurden komplett herausgesägt und die Inneneinrichtung ersetzt. Eigentlich ging es nur darum, dass ein kleiner Spalt am Boden verdeckt wird, den der Motorblock benötigt. Der Fußboden der Fahrerkabine wurde später mit Holz verkleidet.

Als Farbe für die Lackierung habe ich eine einfache und bewährte Methode gewählt. Das Fahrgestell ist rot und der Aufbau grün.

  • rot (RAL 3000): Vallejo 71.084
  • grün (RAL 6020): Vallejo 71.014

Die Lackierung erfolgte mittels Airbrush. Bei der anschließenden Alterung habe ich nur leichte Rostspuren mit Farbe aufgetragen und wenige Farbpigmente verwendet.

Blick auf das fertige Modell

Das fertige Modell ohne Motor steht jetzt in meiner Vitrine. Erste Fahrten in Traktion mit einer Ns2f sehen sehr gut aus und zeigen, dass auch unmotorisierte rollfähige Modelle ihren Reiz haben. Aber vielleicht folgt irgendwann wieder ein Umbau…

Galerie des fertigen Modells