0f Gleisbau

Die meisten Feldbahnen in Deutschland fuhren auf Gleisen mit einer Spurweite von 600 mm. Im Modell (Maßstab 1:45) entspricht das 13,3 mm. Feldbahngleise in diesem Maßstab sind von industriellen Anbietern nicht erhältlich, sodass in diesem Bereich Eigenbau angesagt ist. Dieser Artikel erzählt etwas zu Feldbahngleisen in Vorbild und Modell.

Das Vorbild meiner Feldbahn bewegt ich auf einer Spurweite von 600 mm. Umgerechnet in den Maßstab 1:45 ergibt sich eine Spurweite von 13,3 mm. In dieser Spurweite sind keinerlei industrielle Gleisartikel und Fahrzeuge verfügbar. Lediglich Ècore fertigt Fahrzeuge in dieser Spurweite. Nach NEM ist 0f mit 12 mm Spurweite definiert. 12 mm ist in Deutschland ein üblicher Wert, sodass auch TT- oder H0m-Materialien verwendet werden können. Unter Schmalspur0.de ist dazu ein interessanter Artikel zu finden.

Für meine 0f-Feldbahn möchte ich das Gleismaterial weitestgehend selbst fertigen. Aber welche Abmessungen nehmen? Betrachten wir einmal Feldbahnen im Vorbild.

Vorbildbetrachtungen

Schienenprofile

Ein wenig Literaturstudium und Hinweise von Feldbahn.de zeigen die Gleismaterialien der Vorbilder. Für Feldbahnen wurden folgende Schienenprofile eingesetzt:

Profil Höhe Vorbild HöheModell Code
S7 65 mm 1,44 mm C57
S10 70 mm 1,56 mm C60
S12 80 mm 1,78 mm C70
S14 80 mm 1,78 mm C70
S18 93 mm 2,07 mm C81

Im Bereich der 600mm Feldbahnen waren die leichten Schienenprofile S10 bis S14 üblich. Die S18-Profile sind auch heute auf 750mm Schmalspurstrecken zu finden. Die kleineren Profile waren bei den 500 mm Werksbahnen eingesetzt.

Die Umrechnung vom Vorbild ins Modell erfolgte im Maßstab 1:45. Die Angabe SX gibt nach DIN das Gewicht in [Kg/m] an. S12 ist ein Profil, das 12 KG je laufenden Meter wiegt. Schwerere Profile verkraften größere Achslasten. In der Blütezeit der Feldbahnen waren die Achslasten jedoch nicht sehr groß. Die leichtere Profile S10 und S12 wurde oft verwendet. Heutige Feldbahnen haben meist schwerere Profile (S18 und größer). Woran liegt das? Die meisten funktionsfähigen Feldbahnen der heutigen Zeit haben musealen Charakter und sind restauriert. Originale Gleisprofile aus den 30-ger bis 60-ger Jahren sind kaum noch zu finden. Wenn heute ein Feldbahngleis erneuert wird, so werden verfügbare Schienenprofile aus den Beständen der DB oder der früheren DR verwendet. Das S18-Profil ist eine gängige Variante der Schmalspurbahnen (750mm). Und diese industriellen Profile sind eben größer und schwerer.

Die Umrechnung eines CodeXX-Wertes in eine Profilhöhe ergibt sich nach der Formel:

Profilhöhe [mm] = (CodeXX * 25,4) / 1000

Nach diesen Berechnungen passt ein Code60 oder Code70 Schienenprofil am Besten zu einer Feldbahn im Maßstab 1:45.

Schwellen und Schwellenabstände

Feldbahnschienen wurden früher auf Holz- oder Rillenschwellen aus Stahl montiert. Schwellenart und -Ausführung sowie Schwellenabstand sind von den verwendeten Profilen und dem Raddruck abhängig. Das ist für den Modellbauer fast ein Freibrief. Für die Umsetzung ins Modell eignen sich am besten Holzschwellen. Bei einer Spurweite von 600 mm und S12 Profilen sind Abmessungen von 140 – 160 mm Breite und 100 mm Höhe gängig. Die Länge der Schwellen kann je nach Beschaffenheit des Untergrundes variieren. Im Modell (Maßstab 1:45) sind diese Holzschwellen 3,5 mm breit und 2,2 mm hoch. Stahlschwellen lassen sich schlecht nachbilden, da diese im Modell nur eine Höhe von 0,4 mm haben. Das reicht nicht mal für den Schotter.

Radien

Die Gleisradien richten sich nach den Fahrzeugen und den Geschwindigkeiten, wobei Zweiteres auf Feldbahnen kein Problem darstellt. Die Deutz OMZ 117 kann im Vorbild einen Mindestradius von 9 Metern befahren. Das sind im Modell 200 mm. So soll es auch sein.

Modellbetrachtungen

Aus dem oben gezeigten Betrachtungen und den verfügbaren Artikel der Modellbahnhersteller kommen folgende Schienenprofile für den Gleisbau in Betracht:

  • Code80 (Profilhöhe 2,03 mm) von PECO
  • Code70 (Profilhöhe 1,8mm) der Flex-Track-Serie von MicroEngeneering
  • Code83 (Profilhöhe 2,1mm) von Tillig (Artikel 83500)

Diese Schienenprofile sind alle aus Neusilber. Für den Einsatz werden Preise und Verfügbarkeit entscheidend sein. Bei dem feinen Code70-Gleis ist auch die Spurkranzhöhe der Fahrzeuge noch ein Thema.

2,1 mm Profilhöhe (Code 80 und Code 83) im Modell entspricht einem schweren S18-Profil im Vorbild. Das war früher nicht üblich, aber dennoch nicht unmöglich. Ich denke, dass ist ein guter Kompromiss. Dazu kommt noch, dass die Scheibenräder von Ècore und Rolf Tonner nach allen Löt- und Schotterarbeiten auf Gleisen *Code80 betriebssicher laufen.

Weitaus schwieriger ist die Auswahl in Bezug auf Weichen. Nach einige Versuchen möchte ich diese nicht selbst bauen. Wegen der engen Radien kommen nur Gelenkzungen in Betracht. Für Federzungen müssten die Weichen länger ausgeführt sein. Frankenmodell bot in der Vergangenheit fertige 0f-Weichen mit Code83-Profilen an. Interessant sind auch die Tillig-Weichenbausätze für Spur TT (83430 Weiche 15° links und 83431 Weiche 15° rechts). In den Bausätzen ist das abzweigende Profil schon gebogen und die Zungen besitzen Gelenke. Der Schwellenunterbau aus Kunststoff kann nicht verwendet werden. Schwellengrößen und -Abstände sind in TT (Maßstab 1:120) nun mal anders. Dennoch können die Profile auf Pertinax-Schwellen gelötet werden.

Die Schienenprofile möchte ich auf Pertinax-Schwellen löten. Dazu benutze ich zugeschnittenes Leiterplattenmaterial mit einer Höhe von 1,5 mm. Im Sinne der vorbildgetreuen Umrechnung müssten die Schwellen 2,2 mm hoch sein. Hier kommt wieder der modellbahntypische Kompromiss. Bei langen geraden Stecken kann auch ein Mix aus Pertinax- und Holzschwellen eingesetzt werden. Holzschwellen sehen besser aus und lassen sich mit Beize farblich behandeln.

Im Gegensatz zu Regelspurbahnen wurde bei Feldbahnen kaum Gleisschotter eingesetzt. Feinkies war billiger und einfacher zu verarbeiten. Oft wurden Feldbahngleise einfach nur auf den Untergrund gelegt. Das bedeutet im Modell, dass statt Schotter Quarzsand als Feinkies-Imitat eingesetzt wird. Längere Strecken im grünen Gelände können aber auch eingeschottert werden.

Der Mindesradius beträg 200 mm.

Zur überprüfung der Theorien und Veranschaulichung habe ich einige Muster aufgebaut.