Feldbahn-Betriebsamkeit in H0f

Ein Landschaftsdiorama mit ein wenig Feldbahn-Betrieb ist entstanden. Bislang kam das Thema Landschaftsgestaltung auf der Feldbahn in meinem Keller viel zu kurz. Im Maßstab 1:22,5 ist es auch nicht so einfach mit dem Landschaftsbau wegen des enormen Platzbedarfes. Deshalb habe ich etwas im kleineren Maßstab gebaut: Ein Diorama mit Feldbahn-Betriebsamkeit im Maßstab 1:87 (Spurweite H0f).

Inhaltsverzeichnis

Konzept und Motiv

Im Artikel 55 hatte ich über Feldbahn-Stillleben in kleineren Maßstäben nachgedacht. Jetzt ist es endlich soweit - ein erstes Diorama ist entstanden. Der Grundtenor für dieses Bauvorhaben war:

  • Feldbahn-Diorama auf Basis der Auhagen Feldbahn-Attrappen
  • Verwendung von fertigen Baumaterialen der gängigen Modelleisenbahn-Hersteller
  • Lichteffekte mit Batteriebetrieb als Blickfang
  • Konzentration auf die landschaftliche Gestaltung

Die Wahl eines geeigneten Motivs ist mir ziemlich schwer gefallen. Im letzten Jahr ist bereits ein erstes Diorama am fehlenden Motiv gescheitert. Jedoch bei Blättern im Buntbahn-Forum habe ich schließlich mein Motiv gefunden.

So in etwa sollte mein Werk einmal aussehen. Beim Entwerfen solcher Pläne zeigen sich immer wieder meine zwei linken Hände. Gut, dass es Internet und viele begeisterte dokumentationsfreudige Modellbauer gibt. Bei dem Entwurf handelt es sich um ein kleines Feldbahn-Betriebswerk mit Werkstatt und Lokschuppen.

Die erste Planung im Maßstab 1:87 ergab ein Diorama mit den Abmessungen 70 * 30 cm.

Das war mir etwas zu groß, nach einer Verschlankung entstand der zweite Entwurf, der schließlich auch umgesetzt wurde.

Gleisplan mit Auhagen-Gleisen, die Gleisgeometrie passt.

Die Abmessungen liegen jetzt bei 50 * 25 cm. Das ist sogar noch schrankwandtauglich. Die Stellprobe mit Häusern von Busch sah vielversprechend aus.

Links steht ein Werkstattgebäude zur Lorenreparatur. Über die zwei Drehscheiben und mit viel Muskelkraft können Loren in die Werkstatt geschoben werden. Darüber steht ein einfacher Feldschuppen als Materiallager. In Der Mitte befinden sich der verrottete Feldbahn-Lokschuppen und ein Loren-Abstellgleis. Der vordere Teil soll eine LKW-Verladung darstellen.

Materialzusammenstellung

Zum Bau des Dioramas wurden ausschließlich fertige Materialien verwendet. Bei der Marke Busch bin ich besonders fündig geworden. Hier eine Auflistung der wichtigsten Artikel.

Anzahl Artikel Bezeichnung Kommentar
2 Busch 4154 Straßenleuchte mit Holzmast  
1 Busch 1176 Set Feuerlöschtafeln halbe Packung
1 Viessmann 1538 Schweißer mit Licht  
2 Auhagen 41700 Feldbahnset - Attrappen  
1 Model-Scene 48510 Leiterwagenteile verrottet  
1 Busch 12381 Baufälliger Feldbahn-Lokschuppen  
1 Busch 1455 Nebengebäude  
1 Busch 1500 Feldschuppen  
1 Busch 1106 Betonplatten viertel Packung
1 Busch 6857 2 Obstbäume  

Dazu kamen noch einige weitere Dinge wie Quarzsand, Grasfasern, Figuren und anderes Ausgestaltungsmaterial.

Aufbau und Landschaftsgestaltung

Das Gelände habe ich auf einer Styrodurplatte mit 2 cm Stärke aufgebaut. Diese Platten sind im Baumarkt erhältlich. Damit das Gelände nicht nur flach auf einer Ebene wirkt, wurden hier und da Erhebungen aufgebracht, die das Motiv lebendiger machen. Die Häuser wurde etwas vertieft angebracht, sodass die Gebäudegrundplatte mit dem Geländeprofil abschließt.

Die Platte aus Styrodur bekam noch eine Einhausung aus Pappelsperrholz. Der Rahmen hat eine um 2 cm versenkte Deckplatte, sodass die eingelegte Styrodurplatte oben abschließt. Die Höhe des Rahmens wurde so bemessen, dass Kabel und Batterien ausreichend Platz haben.

Die Kunststoffgleise von Auhagen habe ich mit Weißleim auf die Styrodurplatte geklebt. Das ging nur stückweise mit ausrechender Beschwerung und Trocknungszeit. Es macht nichts, wenn das Gleis hier und da mal nicht passt. Die Kunststoffgleise können beliebig zurecht geschnitten werden. Bei den großen Feldbahnen sieht man oft krumme und schiefe Gleisanlagen.

Den Gleisbereich habe ich mit der Airbrush rostbraun gesprüht. Zum einen geht damit der Kunststoffglanz der Gleise verloren und zum anderen bekamen die Zwischenräume eine Grundfarbe. Den Bereich der Begrünung habe ich dunkel eingefärbt.

Dann ging es auch schon mit dem Besanden los. Ich hatte gefärbten Quarzsand von Busch verwendet. Im Gleisbereich habe ich den Sand aufgetragen und mit Schotterkleber fixiert. Das war nicht so einfach, weil die Gleise klein sind und wenig Höhe haben. Es ist mir nicht immer gelungen, den Sand nur in die Zwischenräume zu schütten und somit Schwellen und Gleisprofile freizuhalten. Viele Schwellen musste ich später wieder freikratzen.

Die Farbe und vor allem die Eintönigkeit haben mir jedoch nicht gefallen. Mit Wasserfarbe in verschiedenen Tönen habe ich den Sand nachbearbeitet. Schließlich musste auch die Airbrusch-Pistolen noch einmal ran, um die Gleisbereiche und einige Landschaftsteile nachzubearbeiten. Beim nächsten Mal kann ich auch den einfachen Quarzsand verwenden.

Den Bereich der LKW-Verladung habe ich mit Betonplatten von Busch gestaltet. Diese sind natürlich nicht aus Beton, sondern aus dicker Pappe. Bei Füllen der Ritzen hatte ich auch dünnflüssigen Schotterkleber verwendet, wobei die Betonplatten durch die Feuchtigkeit an den Rändern sofort aufgequollen sind. Auch ging die Oberflächenbeschichtung an einigen Stellen kaputt, sodass ich auf die Platten neue Farbe aufgetragen habe. Netterweise haben die Platten auch gleich Gleishöhe, sodass ich bei dem eingebetteten Gleis nicht viel nacharbeiten musste.

Die folgenden zwei Bilder zeigen im Detail den Sand rund um die Gleise. Die Schwellenhöhe des Auhagen-Gleises ist so gering, dass eine saubere Schotterung/Besandung schwierig ist. An vielen Stellen war das Gleisprofil gleich mit eingesandet. Gut, das die Gleisanlagen nur Attrappen sind. Ein Fahrbetrieb auf diesen Gleisen wäre wohl kaum möglich.

Ein Highlight des Dioramas ist der Schweißer am Feldbahnschuppen. Die fertige Figur inkl. Elektronik stammt von Viessmann. Ab ca. 9 Volt blitzt die weiße Led in der Hand des Schweißers – ein sehr realistischer Effekt. Auch die Montage war sehr einfach. Alles besteht aus einem Stück mit 2 Kabeln. Ich habe in die Platte ein 12 mm Loch gebohrt und die Figur samt Sockel eingesteckt. Allerdings gibt es auf dem Vießmann-Artikel eine Art Deckplatte von 2 mm, auf der die Figur sitzt. Da die Figur nicht wie bei den Häusern versenkt wurde, musste der Höhenunterschied mit Sand aufgefüllt werden. Das wirkt ein wenig so, als wenn der Schweißer auf einem Berg sitzt.

Im Nachhinein machte mich ein Modellbauer auf einen Fehler in dieser Szene aufmerksam: Das Schweißgerät hat keine Anschlussleitung zu einer Steckdose.

Entlang der Gleise liegen hier und da Ersatzgleise, wie sie oft beim Vorbild zu sehen waren.

In meinen Bastelkisten fanden sich schließlich noch einige Accessoires wie Spaten, Schubkarren etc. Die Holzkarren-Räder stammen aus einem Set von Model-Scene.

Die Begrasung des Dioramas erfolgte mit einem elektrostatischen Beflockungsgerät und Grasfasern in verschiedenen Längen und Farben. Auch auf die besandeten Flächen habe ich Grasbüschel und Grasflocken verteilt.

Diorama-Abdeckung

Zum Abschluss bekam das Diorama eine Haube aus Acrylglas. Meine Wahl fiel auf eine Maßhaube von Sora. Im Onlineshop die Maße eingegeben und nach 3 Tagen war die Haube da. Das Paket beinhaltete gefräste Acrylplatten. Die Teile werden mit kleinen Schrauben verbunden . Die Optik sieht durch die Schrauben im ersten Moment schon gewöhnungsbedürftig aus, jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Je größer die Maßhaube, desto weniger fallen die Schraubverbindungen auf. Ich denke, diese Haube hat ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis. Etwas unangenehm ist die starke elektrostatische Aufladung der Haube, die ich kaum mildern konnte.

Um den Holzkasten habe ich weitere Holzleisten als Auflage für die Haube geklebt. Damit sind auch die Montage-Schrauben unsichtbar geworden. Der gesamte Holzrahmen hat einen grauen Anstrich.

Beleuchtung

Da die Feldbahn nicht fahren kann, habe ich nach anderen Blickfängen gesucht. Neben dem Schweißer von Viessmann gibt es 2 Straßenleuchen mit Led-Licht sowie Licht im Lokschuppen und in der Werkstatt. Hier habe ich klassische Leuchtsockel von Faller und Led-Glühbirnen verwendet. Alle diese Artikel sind für modellbahntypische Spannungen von 16 V ausgelegt. Allerdings sind die Leds dann sehr hell. Ich betriebe jetzt alle Leuchtartikel mit einem 9 V Block, der unterhalb der Anlage platziert ist . Die Helligkeit der Straßenlampen empfinde ich als optimal.

Im Dioramenkasten ist Platz für die Kabel und eine Batteriebox mit Schalter. Einen sepraten Schalter am Diorama-Kasten habe ich nicht vorgesehen.

Galerie

Nachfolgend einige Detailbilder des fertigen Dioramas:

Impressionen Feldbahn-Diorama in H0f

Unterstüzung

Ich hatte den Gedanken zu Bau eines Modellbahn-Dioramas schon längere Zeit mir herum getragen und den Start immer wieder verschoben. Dann ergab sich ein glücklicher Umstand: An der Volkshochschule in Schwabach wurde ein Modellbaukurs angeboten. Da ich so einen Kurs vor zwei Jahren schon einmal besucht hatte, war der Ablauf und der Umfang klar. Und mein Bauwunsch eines Dioramas passte genau in den Inhalten des VHS-Kurses. In Vorbereitung dahin habe ich die Motivauswahl und den Bau des Holzrahmens vorangetrieben. In 10 Sitzungen an der VHS und vielen Stunden an anderen Tagen ist das Diorama entstanden. Der Trainer hat Jahrzehnte Erfahrung im Modellbau und stand mit Rat und Tat immer zur Seite. Durch die gesetzten Termine war der Antrieb zur Überwindung der „inneren Faulheit“ stets gegeben, denn sonst wäre der Baufortschritt nicht so weit. Ein besonderer Ansporn war ein Termin zur Gesamtpräsentation aller Teilnehmer. Bis dahin musste alles fertig sein. Bei diesem letzten Termin wurden alle Bauobjekte vorgestellt und durch erfahrene Modellbahner bewertet und prämiert. Unter 14 Teilnehmern hat mein Feldbahn-Diorama den 2. Platz belegt-Das war sogar einen Zeitungsartikel wert:

Download des vollständigen Zeitungsartikels (987.19 kB)

Für mich gab dieser Kurs tiefe Einblicke in die Welt des Landschaftsbaus, die ich so noch nicht kannte. Hoffentlich habe ich bis zum nächsten Bauprojekt nicht wieder alles vergessen.

Fazit

Der Bau des Dioramas im Maßstab 1:87 war eine willkommene Abwechslung in meinem sonst eher großspurigen Hobby. Ich habe an diesen Projekt 4 Freizeit-Monate aufgewendet. Die Modellbau-Materialien von Busch und Auhagen haben mir hervorragend gefallen. In diesem Maßstab kann und möchte ich kein Gebäude und andere kleine Details selbst bauen.

Nun ist das Diorama im Vergleich zu einer Modellbahnanlage ja nicht groß, dennoch sind die Kosten für die vielen Einzelteile enorm. Ca. 200 € für Material und noch einmal 50 € für die Acrylglashaube sind in diesem Projekt versickert.