Ein Eisenbahnzug aus Holz

Vor längerer Zeit habe ich eine Bauanleitung in Buchform für eine Holzeisenbahn bekommen. Was erst wie ein Spielzeug aussah, hat sich als langjähriges Projekt mit wahrlich meisterlichen Anforderungen herausgestellt. Nach 6 Jahren habe ich etwa die Hälfte gebaut. Hoffentlich wird der ganze Zug irgendwann fertig, sodass meine Enkel ein schickes Spielzeug haben. Hier ein Zwischenstand nach 3 Wagen.

Übersicht

Vorrangig beschäftige ich mich mit Modellbahnen im Maßstab 1:22,5. Hin und wieder gönne ich mir eine Abwechslung. Bastelarbeiten mit Holz tuen mir in diesen Fällen sehr gut. Da ich nicht so kreativ bin, nutze ich gern fertige Anleitungen bzw. Baupläne oder auch Bausätze. Im Internet oder in Büchern gibt es gar nicht so viele detaillierte Anleitungen. Die Holzbausätze von Occre und die neueren Occre-Dioramen gefallen mir sehr gut.

Aber in der Vergangenheit habe ich ein außergewöhnliches Buch entdeckt: „Holz-Eisenbahn selberbauen“ von Richard Grebler. Dieses Buch beschreibt den Aufbau eines ganzen Zuges und enthält detaillierte Maßzeichnungen aller Teile sowie praktische Tipps zur Teilefertigung und Montage.

ISBN-Nummer: 3804303129

Das Buch erschien 1995 im Augustus-Verlag und ist heute nicht mehr verfügbar, selbst den Verlag scheint es nicht mehr zu geben. Hin und wieder findet man jedoch ein gebrauchtes Exemplar. Leider darf ich wegen der Urheberrechte aus diesem Buch nichts abdrucken. Aber ich kann einige meiner Ergebnisse zeigen.

Inhalt des Buches ist ein Zug etwa im Maßstab 1:32. Er besteht aus:

  • offener Güterwagen
  • Klappdeckelwagen
  • geschlossener Güterwagen
  • Kesselwagen
  • Rungenwagen
  • Kleindiesellok

Alles wird aus Holz gefertigt, nur wenige Fertigteile stammen aus den Regalen von Herstellern. Die Wagen sind für Playmobil-Radsätze und die Lok für den Playmobil-Motorblock konstruiert. Die Playmobil-Eisenbahn besitzt eine Spurweite von 45 mm, womit dem Betrieb auf LGB-Gleisen nichts im Wege steht.

Was ist nun an diesem Buch so interessant? Alle Wagen und die Lok sind wohl durchdacht und geschickt konstruiert. Der Autor baut alles aus Buchenholz – ein hartes Holz!. Die fertigen Modelle sehen naturbelassen einfach gut aus, Holz ist eben ein zeitloser Baustoff. Die Konstruktion der einzelnen Modelle ist sehr robust, sie halten wohl ewig.

Als ich das Buch 2009 bekam, habe ich sofort darauf gestürzt. Ich wollte den ganzen Zug bauen und in einer Vitrine aufbewahren. Das Material sollte (wie im Buch) Buchenholz sein. Und da fingen die Probleme an.

Materialien

Seit Beginn steht fest, dass die Fahrzeuge in Holzoptik glänzen sollen. Also kein Lackieren oder Beizen mit Farben. Für den Holzschutz wähle ich farblosen Holzlack oder Öl. Bei der Holz-Auswahl ist es wegen der Optik wichtig, dass alle Teile aus der gleichen Holzsorte gefertigt sind. Auch wenn man es gar nicht vermuten mag, ist Buchenholz die einzige Holzsorte mit einem breiten Angebot. Dazu zählen neben den dünnen Sperrholzplatten für die großflächigen Teile auch eckige Massivholzleisten für die Kleinteile sowie Rundhölzer. Die Massivhölzer sehen sehr schick aus, deshalb verwende ich ich sie weitestgehend im sichtbaren Bereich. Die Beschaffung von Buche-Sperrholz in den Stärken 2 bis 6 mm gestaltet sich schwierig. Wegen der dünnen Platten kommt nur sogenanntes „Flugzeugsperrholz“ zum Einsatz. Dieses wird im Modellbau verwendet und ist nicht im Baumarkt erhältlich. Derzeit habe ich 2 Hersteller für Flugzeugsperrholz-Platten entdeckt:

Bei Graupner ist das Buchensperrholz nicht immer verfügbar und Aeronaut liefert leider nur an Händler. Aeronaut fertigt Platten in den Abmessungen 300 * 300, 600 * 300 mm und größer in den Stärken 1, 1.2, 1.5, 2, 2.5, 3, 4, 5, 6 und 8 mm – also alles dabei. Ich bevorzuge die kleinen Platten, da diese sich weniger verziehen. Wermutstropfen sind die hohen Preise und die schlechte Verfügbarkeit bei den Modellbauhändlern. Nach mehreren Bestellungen, bei denen ich verzogene Platten bekommen habe, möchte ich eigentlich nur noch im Laden kaufen. Dort kann man vielleicht gerade Platten im Regal finden. Aber das ist einfacher gesagt als gefunden, da viele Händler kaum Lagerware für Sperrhölzer haben und sie diese meist kundenspezifisch bestellen.

Für die Fahrwerke werden Aluminium-Platten (Modulor) und -Winkel (Baumarkt) benötigt. Die Radsätze (Playmobil 7553) sind als Einzelteile direkt bei Playmobil oder diversen Händlern bestellbar. Der Antriebsblock Playmobil 7550 ist nicht mehr erhältlich. Er stammt aus einer Zeit, in der die Playmobilbahn noch mit Schienenstrom betrieben wurde. Das ist schon eine Weile her. Seit dem gibt es Kunststoff-Gleise und Loks mit Funk-Fernsteuerung. Diese verwenden andere Antriebe, die natürlich nicht in die Konstruktion der Holzlok passen.

Als Gebrauchtware ist der Antrieb oder auch eine ganze Playmobil-Lok mit Antrieb immer wieder mal auf Ebay zu finden. Alle anderen Einzelteile sind gewöhnlicher Modellbaukram.

Werkzeuge

Herr Grebler gibt am Anfang seines Buches Werkzeugempfehlungen. Auszugsweise:

  • Bohrmaschine mit Ständer
  • Pendelhub-Stichsäge
  • Laub- und Gehrungssäge
  • Tellerschleifmaschine

Ich habe den Bau 2009 mit kleinen Werkzeugen gestartet:

  • Kleine Kreissäge Proxxon KS230
  • Proxxon Dekupiersäge DS 220
  • Bandschleifer Proxxon
  • Proxxon Bohrschleifer mit Bohrständer

Buche ist ein Hartholz und die Maschinen gelangen schnell an ihre Grenzen. 5 und 6 mm Buchensperrholz auf der kleinen Kreissäge ist alles andere als angenehm. Der offene Güterwagen hatte nur gerade Schnitte, was mit den Werkzeugen noch ganz gut funktionierte. Gleich nach dem ersten Wagen fertigte ich die ersten Teile des geschlossenen Güterwagens an. Ausschnitte im Holz sowie Bögen machten die Bearbeitung schwieriger. Hier wurde klar, dass es ohne bessere Maschinen nicht gehen wird. 2011 und 2013 gab es Werkzeugaufwertungen. Der lang ersehnte Tellerschleifer kam zusammen mit einer größeren Kreissäge und einer vernünftigen Bohrmaschine mit Koordinatentisch.

Mit diesen Werkzeugen baute ich den Klappdeckelwagen. Erst 2016 entdeckte ich die CNC-Fräse in der Holzverarbeitung. Die meisten Teile für den gedeckten Güterwagen (Wagen 3) wurden aus dem harten Holz heraus gefräst.

Mit diesen Werkzeugen werden ich die nächsten zwei Wagen und die Lok zum Abschluss bauen.

Fahrgestell

Die Fahrgestelle von 4 der 5 Wagen sind gleichartig aufgebaut, lediglich der Kesselwagen besitzt eine andere Konstruktion. 2 mm Platten aus Aluminium werden mit Winkeln zur Aufnahme der Achsen komplettiert. Wegen der verschieden Wagenlängen sind die Fahrgestellplatten verschieden lang. Nach dem ersten Wagen habe ich die restlichen drei Fahrgestelle in einem Rutsch angefertigt.

Für die Befestigung der Achslagerwinkel habe ich M3-Gewinde in die Aluminiumplatte geschnitten und kurze Schrauben eingedreht.

Offener Güterwagen (Wagen 1)

Der offene Güterwagen war das erste Bauobjekt. Der Wagenkasten besteht aus 42 Einzelteilen, die ich mit der einfacheren Werkstattausrüstung angefertigte. Das war nicht so schwierig, da nur gerade Teile verbaut wurden. Problematisch war das saubere Beschleifen längerer Kanten mit dem Bandschleifer. Ohne festen Anschlag gelingen kaum plane Flächen. Die Galerie zeigt den fertigen Wagen mit Holzlack-Finisch.

Bilder des fertigen Güterwagens offener Bauart.

Klappdeckelwagen (Wagen 2)

Als zweiten Wagen baute ich den Klappdeckelwagen. Es gibt leider kaum Bilder vom Aufbau. Auch wenn der Wagen von weitem eine gute Figur macht, ist doch viel Pfusch dran. Einige der wichtigen Teile haben nicht die notwendige Genauigkeit, sodass nach der Grobmontage des Wagenkastens Spalte sichtbar wurden. Probleme hat mit die Anfertigung genau gleicher Teile bereitet. Daraufhin habe ich die nächsten Teile individuell zugeschnitten. Leider ist das Ergebnis nicht besonders gut geworden. Nach den guten Erfahrungen mit der CNC-Fräse denke ich über einen Neubau dieses Wagens nach. Die 69 Teile des Wagenkastens benötigen nicht so viel Zeit.

Geschlossener Güterwagen (Wagen 3)

An diesem Wagen fallen sofort die Ausschnitte an den Seitenteilen sowie das gewölbte Dach auf. Die Stirn- und Seitenteile hatte ich schon recht früh begonnen. Leider habe ich die Rundungen und Ausschnitte nicht sauber genug fertigen können. Also habe ich in 2016 einen Neustart gewagt. Dieses Mal habe ich die Teile, an denen etwas gebogen ist, mit der CNC-Fräse bearbeitet. Damit waren die Teile dann so maßgenau, das sich alles gut zusammenfügte.

Die nachfolgenden Bilder geben einen Eindruck der Wagenmontage.

Für das Wagen-Finish habe ich dieses Mal Öl verwendet. Alle Teile wurden zweimal geölt.

Eigentlich sollte das Dach abnehmbar bleiben. Das habe ich nicht geschafft, es wollte einfach nicht richtig sitzen. Da habe ich es mit Kleber auf den Wagenkasten gepresst. Jetzt war alles gut.

Die Konstruktion finde ich wirklich gelungen, auch wenn ich nicht alles genau umsetzen konnte. Beispielsweise sollte die Alu-Fahrgestellplatte genau in den Wagenrahmen hineinpassen und durch die straff sitzenden Wagenpuffer gehalten werden. Auch die mittige Platte mit dem Luftdruckkessel sollte ohne Kleber straff sitzen. Durch die Rundhölzer der Wagenpuffer werden auch Wagenkasten und Fahrwerk verbunden. Die Hölzer können herausgezogen werden, sodass der Wagenkasten abgenommen werden kann.

geschlossener Güterwagen aus Holz

Die Griffstangen sind aus Messing-Rundmaterial gebogen und stecken in Messing-Hohlnieten von Fechtner Modellbau (Außen 2 mm, Innen 1.5 mm).

Ausblick

Zwischenzeitlich hatte ich eine Vitrine für den Holzzug gebaut. Jetzt beinhaltet sie drei Wagen und ein wenig Müll. Irgendwann wird sie vollständig gefüllt sein.

Ich weiß heute noch nicht, ob der Zug später einmal fahren soll. Erst einmal baue ich die Modelle für die Vitrine. Alle Wagen sind rollfähig und die Lok könnte Dank des Antriebsblocks sogar richtig auf LGB-Gleisen fahren. Aber das wäre mir zu einfach. Wenn sie fahren soll, dann richtig mit Funksteuerung und Sound. Aber vielleicht strahlt sie auch einfach nur in der Vitrine.