Maßstäbe und Spurweiten

Zu den am meist verbreitetsten Maßstäben im Modellbau gehören die Spur H0 (Maßstab 1:87) und N (Maßstab 1:160). Auch Z und TT sind häufig anzutreffen. Alle Maßstäbe größer als HO sind rar, und Materialien wie Fahrzeuge und Gebäude sind in den Spurweiten 0, 1 und II oft nur noch über Kleinserienhersteller zu beziehen. Die Spur 0 halte ich für eine interessante Alternative und stelle hier ein Fakten zum Maßstab und den Spurweiten zusammen.

In der Baugröße II (Maßstab 1:22,5) besitzen die Fahrzeuge eine detailreiche Größe. Alle Wünsche wie Digitaldekoder oder Sounddekoder lassen sich spielend in den Fahrzeugen unterbringen. Die Gebäude und Landschaften benötigen allerdings Platz ohne Ende. Mit Blick auf die Detaillierung ist dieser Maßstab aber die erste Wahl.

Die Baugröße H0 scheint in vielerlei Hinsicht optimal. Die Fahrzeuge und Modellbauten haben eine akzeptable, detailreiche Größe. Die technischen Innovationen (Digital- und Soundtechnik) sind in den letzten Jahren stark gewachsen. Nun ist aber H0 nicht gleich H0. Schmalspurbahnen sind im Maßstab 1:87 naturgemäß kleiner als Normalspurbahnen. Bei Feld- und Industriebahnen wird dieser Unterschied noch gravierender. Eine Feldbahnlore in H0f wirkt wie ein Normalspur-Güterwagen in Spur Z.

Die Feld-, Wald-, oder auch Industriebahnen stellen eine eigene Welt da. Nichts von der gewöhnlichen Eisenbahn passt mehr in das Schema. Es gibt weder Signale, noch Fahrstraßen oder gar Bahnhöfe. Alles ist einfach gehalten. Hier ist die Bahn noch eine Bahn.

Da ich für meine Modellbahn ein kleines ausgewähltes Feldbahn-Thema und keine zu kleinen Modelle verwenden wollte, kam nur ein Maßstab größer als H0 (1:87) in Betracht. Die Größe der Modellbauten in Spur II überschreiten mein Platzangebot derzeit bei weitem. Die Spurweiten 0 oder 1 (Maßstäbe 1:45 oder 1:32) scheinen die beste Wahl zu sein. Eine Spur 1 Feldbahnanlage benötigt keinesfalls mehr Platz, als eine H0-Anlage in Regelspur. Für Spur 0 habe ich mich in erster Linie wegen der Verfügbarkeit geeigneter Modelle entschieden. Im Nachhinein gesehen ist die Verfügbarkeit von Materialien in Spur 1 auch nicht schlechter.

In der heutigen Modellbahn-Literatur wird über die Spur 0 wenig geschrieben. Die Spur 0 war bis Ende der vierziger Jahre der Maßstab schlechthin. Erst die Nachkriegsentwicklung und die fortschreitende Technologie in der Herstellung von Modelleisenbahnen brachten kleinere Maßstäbe (H0 in 1:87 und N in 1:160). Die Spur 0 geriet durch den Trend der Miniaturisierung fast in Vergessenheit. Ende der sechziger Jahre kam die Auferstehung der großen Spuren. Die Spur 0 wurde von verschiedenen Firmen wieder angeboten. Wem die Spur 1 zu groß, die Spur H0 hingegen zu klein ist, der findet im Bereich der Spur 0 nahezu optimale Verhältnisse, und der Eigenbau von Modellen ist nahezu uneingeschränkt möglich. Heute sieht es so aus, dass sich immer mehr Modellbahner für große Spuren entscheiden. Tatsächlich gibt es in der heutigen Zeit ein üppiges Angebot an Materialien aller Art für den Maßstab 1:45. Im Bereich der Feldbahn-Fahrzeuge herrscht immer noch ein Defizit.

Ich habe den Maßstab 1:45 auch deshalb gewählt, weil diese Baugröße geradezu zum Eigenbau von Fahrzeugen, Gebäuden und Landschaften einlädt und ein breites Angebot an Bastelmaterialien im Maßstab 1:45 verfügbar ist. Mit den Grundmaterialien Holz, Messing und Kunststoff können viele Details selbst gestaltet werden.

Die Spur0 deutet aber nicht automatisch auf den Maßstab 1:45, wie folgende Tabelle zeigt.

Maßstab Erläuterungen
1 : 43,5 Der Maßstab 1:43,5 - auch als Scale7 oder 7 mm bezeichnet - wird vorrangig in Frankreich, Großbritannien und Skandinavien verwendet. Der Begriff 7 mm kommt aus der Vermengung des metrischen mit dem imperialen Maßsystem. Ein englisches Fuß entspricht im Modell 7 mm. 1 ft (Fuß) sind dabei 1 Dutzend Zoll (12 in). 1 Zoll (1 in) entspricht 2,54cm.
1 : 43,5 Der Maßstab 1:43,5 - auch als Scale7 oder 7 mm bezeichnet - wird vorrangig in Frankreich, Großbritannien und Skandinavien verwendet. Der Begriff 7 mm kommt aus der Vermengung des metrischen mit dem imperialen Maßsystem. Ein englisches Fuß entspricht im Modell 7 mm. 1 ft (Fuß) sind dabei 1 Dutzend Zoll (12 in). 1 Zoll (1 in) entspricht 2,54cm.
1 : 48 Der Maßstab 1:48 - auch als 1/4in bezeichnet - wird in Amerika verwendet. Hier herrscht noch das imperiale Maßsystem. 1 Fuß (1 ft) im Vorbild entsprechen 0,25 in (0,635 cm) im Modell.
1 : 45 Unter deutschen Modellbahnern wird der Maßstab 1:45 nach NEM (**N**ormen **e**uropäischer **M**odellbahnen) verwendet.

Für eine Anlage der Nenngröße 0 verwendet ich den Maßstab 1:45. Die von mir eingesetzten Feldbahnfahrzeuge sind ebenfalls im Maßstab 1:45 gefertigt. Modellautos (Bagger, LKW´s) werden meist im Maßstab 1:50 angeboten. Hier muss erst mal das Auge entscheiden.

In Spur 0 sind verschiedene Spurweiten definiert:

Spur Spurweite Anmerkungen
0 32 mm
0m 22,5 mm
0e 16,6 mm
0f 12 mm Nach exakter Umrechnung müssten es 13,3 mm sein. Nach NEM ist das etwas vereinfacht.
0n2 12,7 mm Die „2“ steht für 2 englische Fuß im Vorbild. Das entspricht 12 inch und damit 30,48 cm.
0n3 19 mm Die „3“ steht für 3 englische Fuß = 91,44 cm. Das ist schon fast Meterspur.
0n30 16,5 mm Hier steht die „30“ für 30 inch. Das sind im Vorbild 762 mm - daher die ähnlichkeit zu 0e.

Die mit 0n beginnenden Spurweiten kommen aus dem Amerikanischem (Maßstab 1:48). Die „0“ steht dabei für 0-Scale und das „n“ für Narrow Gauge (Schmalspur).

Für 600 mm Feldbahnen im Modell kommen praktisch folgende Spurweiten zum Einsatz:

Spurweite Bezeichnung Maßstab Bemerkung
12 mm 0f-12 1:45 (NEM) Nach NEM gilt die Spurweite 0f für Feldbahnen von 400 bis 650mm.
13,3 mm 0f-13,3 1:45 13,3 mm würde die exakte Umrechnung ergeben.
12,7 mm 0n2 1:48 Feldbahnen in Amerika fuhren häufig auf 2 Fuß Gleisen.
14 mm 0f-14 1:43,5 Genaugenommen sind es 13,8 mm bei 600 mm Spurweite im Vorbild.

Maßstabsgerecht müsste ein Gleissystem im Maßstab 1:45 mit einer Spurweite von 13,3 mm eingesetzt werden, denn 12 mm entsprechen im Vorbild „nur“ 540 mm. Für diese „exotische“ Weite liefert kein Hersteller Gleis-Material. Dagegen kann für 12 mm Spurweite auch H0m oder TT Gleismaterial eingesetzt werden. Gerade im Bereich der Weichen ist das wegen der Betriebssicherheit vorteilhaft. Außerdem gibt es eine Reihe von Herstellern, die in der Größe H0m Fahrwerke herstellen, sodass doch mal eine selbstgebaute Lok eingesetzt werden kann. Ich verwende für den Gleisbau Spurlehren, die in H0m gut verfügbar sind. Der Unterschied zwischen 12 mm und 13,3 mm ist ein Kompromiss, mit dem man gut leben kann, zumal jeder Modellbahner irgendwo Kompromisse bei der Umsetzung ins Modell eingehen muss. Die Feldbahn-Fahrzeuge von Ècore werden übrigens auch in 0f-13,3 hergestellt.

ähnlich interessant ist die maßstäbliche Betrachtung der Geschwindigkeiten. Die Umrechnung der Vorbild- in die Modellgeschwindigkeit (km/h in cm/s) wird mit der Formel:

berechnet. Eine Ns2 in Spur 0 (Maßstab 1:45) mit einer maximalen Vorbildgeschwindigkeit von 7 Km/h bewegt sich im Modell mit 4,3 cm/s fort. Für den Modellbahner noch spannender ist aber, ob ein Modellfahrzeug die vorbildgerechte Geschwindigkeit erreicht. Dazu benutzt man günstigerweise eine definierte Messstrecke mit einer bekannten Länge und stopt einfach die benötigte Durchfahrtzeit. Die Berechnung erfolgt dann mit:

Auf meiner Teststrecke (Länge 50 cm) benötigt die digitalisierte Ns2 (Selectrix-Dekoder) in der Höchsten Fahrstufe 11 Sekunden für eine Durchfahrt. Das entspricht einer Vorbildgeschwindigkeit von ca. 7 Km/h.