Ns2f: 30 PS Diesel des LKM - Teil 1

im Maßstab 1:13


127 15.08.2022

#2022 #45mm #1:13 #3d-druck #fahrzeugbau #feldbahn


Eine Ns2f mit Stangenantrieb selber bauen war schon lange ein Modellbautraum. Hier ist sie jetzt im Maßstab 1:13 als Diorama-Rollmodell.


Inhaltsverzeichnis

Mission

Feldbahn-Diesellokomotiven der Reihe Ns2/Ns2f tauchten in meiner Hobbywelt bereits in verschiedenen Varianten auf:

An einen Selbstbau hatte ich mich bisher noch nicht gewagt, da der Stangenantrieb der Ns2f mit 3D-Druck Teilen schon eine Herausforderung ist.

Die Konstruktion dieses Modells besteht aus unzähligen Einzelteilen, die ich auf drei verschiedenen 3D-Druckern (siehe Artikel 114-1: „Druckerstatus“) angefertigt habe. Die Konstruktion selbst stammt aus Sandbahners-Feder — eine unglaubliche Leistung. Einige Teile wurden aus Montagegründen nachkonstruiert.

Hinweis

Der Bau dieses Modells basiert auf einer Konstruktion des Sandbahners der Feldbahnsinnigen.

Der Bau des Modells erfolgte in 5 separat gefertigten Baugruppen. Der Baubericht ist zweiteilig, in diesem ersten Teil erfolgt die Vorstellung des Fahrzeugs und der Aufbau der ersten zwei Baugruppen. Im zweiten Teil später folgenden die restlichen Baugruppen sowie die Endmontage.

Vorbild

An dem im LKM (VEB Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg) zwischen 1950 und 1952 gefertigten Loktyp Ns2 gab es Mängel, die mit einer Weiterentwicklung der Lok beseitigt werden sollten:

  • Hoher Verschleiß der Lamellen-Trockenkupplung
  • Antriebsketten: Starker Verschleiß, schwierige Ersatz-Beschaffung, Ständiges Nachspannen
  • Geringe Geschwindigkeit von 8 Km/h

1952 wurde der Nachfolger als Bauart Ns2f vorgestellt.

Technische Daten:

  • Antrieb auf beide Achsen von der Blindwelle über Kuppelstangen
  • 3-Gang-Getriebe mit 14 Km/h Höchstgeschwindigkeit
  • Spurweite 485 mm bis 630 mm
  • Kleiner Kurvenradius: 12 m
  • Dienstmasse: 6,2 t
  • Raddurchmesser: 500 mm
  • Achsabstand: 1050 mm
  • LüP x Breite: 3090 mm x 1500 mm
  • Tankinhalt: 50 l
  • Stückzahl: ca. 550 im Zeitraum 1952 bis 1959 (Ns2: ca. 500, Bauzeit: 1950 bis 1952)

Motorisierung:

Ab Werk wurden wassergekühlte Zweizylinder-Viertakt-Motoren vom Typ 16V2 verbaut. Die Konstruktion war eine Kriegsentwicklung von O&K und wurde u.a. auch in Traktoren vom Typ Aktivist“ eingesetzt — deshalb der Name Aktivist-Motor*. Der Motor leistet 30 PS bei 1500 U/min.

Das nachfolgende Bild zeigt eine Ns2f mit Originalmotor. Hinter dem Kühlergrill ist der Wasserkühler platziert. Markant ist der Auspuff in Führerhausnähe.

Ns2f in der Herrenleite mit Original-Motor.
Ns2f in der Herrenleite mit Original-Motor.

Während der Lokwartungen in den 60er und 70er Jahren wurde der Aktivist-Motor oft durch einen moderneren luftgekühlten Zweizylinder-Direkteinspritzer-Dieselmotor vom Typ 2 VD 14,5/12 SRL. Dieser vom Motorenwerk Schönebeck hergestellte Motor leistet 36 PS.

Das nachfolgende Bild zeigt eine Ns2f mit dem Tausch-Motor. Hinter dem Kühlergitter ist der Motor direkt erkennbar. Markant ist der Auspuff vorn am Motorvorbau.

Ns2f der Lichtenhainer Waldeisenbahn mit Tausch-Motor.
Ns2f der Lichtenhainer Waldeisenbahn mit Tausch-Motor.

Modellpflege

Im Laufe der Bauzeit gab es immer wieder Änderungen an den Aufbauten. Besonders sichtbar sind drei Abschnitte:

  • 1953, 1954: Nach beiden Seiten offenes Führerhaus
  • 1955, 1956: beidseitig zweigeteilte Türen
  • 1956 bis 1959: weitere Verkleidungen an den oberen Führerhausseiten
Rechts eine Ns2f aus dem ersten Fertigungszeitraum mit offenem Führerhaus der Feldbahnsammlung Ilmenau.
Rechts eine Ns2f aus dem ersten Fertigungszeitraum mit offenem Führerhaus der Feldbahnsammlung Ilmenau.
Eine Ns2f der Lichtenhainer Waldeisenbahn aus dem zweiten
Fertigungszeitraum mit beidseitigen Türen.
Eine Ns2f der Lichtenhainer Waldeisenbahn aus dem zweiten Fertigungszeitraum mit beidseitigen Türen.
Ns2f des *Feldbahnmuseums Frankfurt aus dem dritten
Fertigungszeitraum mit weiteren Verkleidungen am Führerhaus.
Ns2f des *Feldbahnmuseums Frankfurt aus dem dritten Fertigungszeitraum mit weiteren Verkleidungen am Führerhaus.

Konkrete Modellumsetzung

Ins Modell umgesetzt wurde:

  • die zuletzt gefertigte Variante mit Türen und Verkleidungen am Führerhaus
  • luftgekühlter Austauschmotor (Auspuff vorn)
  • Fensterscheiben mit Gummi-Dichtungen
  • Kühlergrill mit Winkelprofilen

Interessant ist noch die Frage der Scheinwerfer. Die meisten Ns2f, die ich bisher gesehen hatte, besitzen kleinere Traktorlampen. Vorn meist am Führerhaus oder an der Frontseite des Motorvorbaus. Es gab aber auch riesige Lampen, wie das nachfolgende Beispiel der Ns2f der Eichenberger Waldbahn (siehe Artikel 91: „Eichenberger Waldbahn“) zeigt.

Genau diese Lampen wurden am Modell verbaut.

Modell

Konzeption und Baugruppen

Es ist das komplexeste Fahrzeug, das je in meiner Werkstatt entstanden ist. Mehr als 100 Druckteile wurden verarbeitet. Das funktionierte nur, weil die Umsetzung in Baugruppen erfolgte. Jede Baugruppe wurde separat aufgebaut und lackiert. Nach der Endmontage aller Baugruppen erfolgte die Alterung des Modells.

  • BG1 Lokrahmen
  • BG2 Motorhaube/Vorbau
  • BG3 Antriebsblock
  • BG4 Bedienpult
  • BG5 Führerhaus

BG1 - Lokrahmen

Nr Baugruppe Druckteile Kommentar
BG1 Lokrahmen 31 inkl. Puffer und Ballastgewicht

Der Lokrahmen besteht aus etwa 30 Druckteilen. Den Rahmen selbst bildet die Grundplatte mit den Seiten- und Stirnteilen. Mit den Passnasen wurden die Teile fixiert und verklebt. 4 Einschmelzbuchsen M2 wurden in die Grundplatte für die Befestigung des Antriebblocks gesetzt.

Auf der folgenden Abbildung ist die Dimension der Lok erkennbar. Mit einer Länge von 205 mm und einer Breite gut 100 mm wirkt die Baugruppe riesig im Vergleich zum Lokrahmen der Diema DL6.

Vergleich Lokrahmen Diema DL6 und Ns2f.
Vergleich Lokrahmen Diema DL6 und Ns2f.

Da Achslager, Puffer und Rahmen verschiedene Farben haben, habe ich den Rahmen und die Anbauteile vor der Montage lackiert. Der rote Farbton des Rahmens entspricht RAL 3000 (Vallejo 71.269).


...
RAL 3000 - Feuerrot

Auf den ersten Blick wirkt das rot sehr hell. Mit ein wenig Wash wird der Farbton später noch dunkler. Auf der Grundplatte ist bereits das feine Riffelblech erkennbar, das den Boden des Führerhauses darstellt.

Die Puffer wurden nach der Lackierung mit M 1,6 Schrauben angeschraubt. Die Front mit den Lokpuffern sieht im Vergleich zum Vorbild (hier eine Ns2f in der Herrenleite) realistisch aus.

Für die Montage der Achslager wurden jede Menge Schrauben M 1,6 mit Sechskantkopf verarbeitet. Die Schrauben-Köpfe dienen im Modell vorrangig der Optik. Anfänglich wollte ich die Schrauben auf der Innenseite des Rahmens mit Muttern fixieren. Das ging leider nicht, da der Abstand zwischen den Radscheiben und dem Rahmen äußerst gering ist. Ich habe die Schrauben eingeklebt und die überstehenden Reste abgeschnitten. So gesehen, könnte man auch gedruckte Zierschrauben verwenden oder die Schraubenköpfe gleich mit dem Bauteil drucken.

Im Vorbild sieht es etwas anders aus. Dort werden die Bolzen von außen mit Muttern befestigt.

Details an einer Ns2f im Feldbahnmuseum Frankfurt.
Details an einer Ns2f im Feldbahnmuseum Frankfurt.

Der fertige Lokrahmen mit einer beachtlichen Länge von 225 mm präsentiert sich wie folgt:

Fertig lackierte Baugruppe 1 (Lokrahmen).
Fertig lackierte Baugruppe 1 (Lokrahmen).

Auf der Rahmenoberseite ist noch der Hilfsrahmen der Motorhaube zu sehen. Dieser gehört zur Baugruppe 2. Auf dem Bild noch nicht zu sehen ist der Gewichtsbehälter, der später mit Stahlkugeln gefüllt wird. Der Lokrahmen wiegt ohne Zusatzgewicht 148 g.

BG2 - Motorhaube/Vorbau

Nr Baugruppe Druckteile Kommentar
BG2 Motorhaube 20 inkl. Lampe

Die Motorhaube ist ein aus Einzelteilen zusammengesetztes und verklebtes Gestell. Die untere Platte besitzt M 2 Einschmelzbuchsen zur Befestigung der Haube am Lokrahmen. Der gesamte Vorbau ist innen hohl. Dort sitzt später der am Lokrahmen angeschraubte Gewichtsbehälter.

Einzelteile der Motorhaube ohne Kleinteile.
Einzelteile der Motorhaube ohne Kleinteile.

Die meisten Teile wurden mit 0,2 mm Schichtstärke in PLA gedruckt. Die feinen Seitenabdeckungen wurden mit 0,1 mm PLA und kleiner Düse gefertigt.

Der Deckel des Vorbaus ist ein Druckteil. Mann kann ihn mit der Oberseite auf dem Druckblech drucken. Ich habe das Bauteil etwas anders hergestellt. Die Unterseite sollte aufs Druckblech um dann mit einer feinen Auflösung von 0,1 mm und kleiner Düse zu drucken. Da die Nasen dann stören, habe ich das Bauteil im Slicer geteilt und so zwei Druckteile erstellt. Diese Aktion hat sich eigentlich nicht gelohnt, da bei der Montage jetzt unnötige kleine Ritzen entstanden sind.

Motorhaube komplett ohne Seitenbleche und Kleinteile.
Motorhaube komplett ohne Seitenbleche und Kleinteile.

Auf dem Deckel der Motorhaube wurden einige Kleinteile platziert. In der Mitte der Deckel des Sandbehälters und rechts zum Führerhaus hin der Tankdeckel. Der 50 l Tank sitzt über dem Getriebe. Links sitzt die Wartungsklappe zum Motor. Ebenfalls an der vorderen Seite ist der Auspuff angebracht, ein typischen Merkmal für den luftgekühlten Austauschmotor. Das Auspuffrohr ist kein Druckteil, sondern ein Stück 5 mm Kunststoffrohr.

Motorhaube oben mit montierten Kleinteilen.
Motorhaube oben mit montierten Kleinteilen.

Zur Verzierung des Motorvorbaus wurden Nieten verwendet (Knupfer 1,4 x 6 mm). Die Bohrungen sind auf den Bauteilen nicht vorhanden, sondern sie wurden mittels Bohrschablonen (ebenfalls 3D-Druckteile) platziert.

Im Frontbereich ist die Nietenmontage etwas knifflig, da die Bohrlöcher teilweise in den Spalten der Teileverbindungen liegen. Einige Nieten mussten auch gekürzt werden, da die Bohrlöcher nicht tief genug ausgeführt werden konnten.

Die Seitenklappen wurden eingeklebt und erhielten später noch Zierschrauben.

Motorvorbau mit Seitenblechen.
Motorvorbau mit Seitenblechen.

Die Frontlampe inkl. Montageplatte besteht aus 5 Einzelteilen. Erst nach der Lackierung erfolgte die Befestigung an der Front des Motorvorbaus. Das Bild zeigt einen Filament-Druck in PLA (0,1 mm Schichtstärke) und einen Resindruck. Der Unterschied in der Qualität der Druckteile ist an dieser Stelle gering. Für die Front habe ich die Filament-Variante gewählt.

Lampenteile
Lampenteile

Am Ende der Montage gibt es drei Teile für die Lackierung:

  • Motorvorbau mit Anbauteilen
  • Kühlergrill
  • Lampe
Einzelteile des Motorvorbaus vor der Lackierung
Einzelteile des Motorvorbaus vor der Lackierung

Genau an dieser Stelle musste die schwierige Frage der Farbgebung entscheiden werden. Nach den Recherchen im Werkbahnreport (Ausgabe 13 und 15) gab es als Farben ab Werk Rotbraun und zwei Grüntöne. Später wurden viele Fahrzeuge auch in andere Farben umlackiert. In der Model-Air Airbrush-Farbreihe von Vallejo stehen zur Auswahl:

  • Rotbraun (RAL 8012), Vallejo 71.271
  • Camouflage Dark Green (RAL 6007), Vallejo 71.019, Flaschengrün

Es soll auch noch ein helleres Grün (vielleicht ähnlich RAL 6002) gegeben haben.


...
RAL 8012 - Rotbraun
...
RAL 6007 - Flaschengrün
...
RAL 6002 - Laubgrün

Ns2f (links) im dunklen Flaschengün und Ns2 (rechts) in einem helleren Grünton.
Ns2f (links) im dunklen Flaschengün und Ns2 (rechts) in einem helleren Grünton.
Ns2f der Eichenberger Waldbahn mit rotbrauner Farbgebung.
Ns2f der Eichenberger Waldbahn mit rotbrauner Farbgebung.
Ns2 in flaschengrüner Lackierung im Feldbahn 500 e.V.
Ns2 in flaschengrüner Lackierung im Feldbahn 500 e.V.

Letztlich habe ich mich für den Farbton Rotbraun entschieden. Kühlergrill und Lampe wurden schwarz lackiert. Der Reflektor der Lampe erhielt einen weißen Pinselanstrich. Der Auspuff muss bei der späteren Endmontage noch schwarz oder rostig lackiert werden.

Der Motorvorbau bringt 118 g auf die Waage.

Zwischenstand

Die ersten zwei Baugruppen montiert sehen wie folgt aus:

Fertiggestellte Baugruppen Lokrahmen und Motorhaube der Ns2f.
Fertiggestellte Baugruppen Lokrahmen und Motorhaube der Ns2f.

Der Vorbau erhielt eine rotbraune Lackierung. Dieser Farbton wurde auch zur Zeit der Herstellung angeboten. Mit M2 Gewindeschrauben werden die beiden Teile später verbunden. Beide Baugruppen zusammen wiegen ca. 270 g.

Hier der Vergleich des Modells mit der Ns2f der Eichenberger Waldbahn (siehe Artikel 91: „Eichenberger Waldbahn“).

Im zweiten Teil der Artikelserie geht es mit den anderen Baugruppen (Fahrwerk, Führerhaus, Bedienpult) demnächst weiter.

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