Grubenhunt-Baukasten

Modulare Bauteile für individuelle Grubenhunte im Maßstab 1:13


162 15.08.2026


Kombiniere Räder, Mulden und Rahmen – bau deinen eigenen Grubenhunt. Mit diesem Baukasten ist es vorbei mit dem Einheitsbrei auf der Feldbahnanlage.


Inhaltsverzeichnis

Mission

Bislang habe ich im Maßstab 1:13 Grubenhunte als Förderwagen in den Größen 0.5 m³ mit fester Mulde und 0.63 m³ als Kipphunt gebaut. Ferner gibt es in diesem Blog noch weitere Grubenbahn-Fahrzeuge, beispielsweise Kastenhunte, Selbstentlader und andere Hunt-Varianten. In der Grubenbahnwelt gab es jedoch nicht nur kleine Hunte, sondern mit leistungsfähigeren Lokomotiven und Werkzeugen wurden höhere Förderquoten erzielt, was zu Förderwagen mit größeren Volumen führte. In Feld- und Grubenbahnmuseen finden sich heute die unterschiedlichsten Größen. Vor einiger Zeit hat mich dieses Thema schon einmal im Maßstab 1:19 beschäftigt (siehe Artikel 144: „Grubenhunte in 16 mm scale“). In dem Projekt entstanden zusätzliche Förderwagen mit 0.8 m³ und 1 m³.

Im Maßstab 1:13 ist jetzt ein ähnliches Angebot entstanden. Bei der Vorbereitung für dieses Projekt habe ich intensiv mein Bildmaterial gesichtet und ein paar Fakten festgestellt:

  • Es gibt nicht den Standard-Grubenhunt. Abmessungen unterscheiden sich auch bei gleichem Volumen.
  • Hunt-Rahmen, Radgrößen sowie Radscheiben-Designs sind nicht einheitlich.
Verschiedene Grubenhunte und Loreräder.

Nachfolgend Fotos eines Granby-Förderwagens im Besucherbergwerk Trusetal (siehe Artikel 154: „Feldbahnen in Thüringen (2025)“).

Zu Grubenbahn-Fahrzeugen besitze ich wenig Literatur, mein einziger Anhaltspunkt ist derzeit das Prospekt über Förderwagen des früheren DDR-Betriebs VEB Förderwagen und Beschlagsteile Mühlhausen aus dem Jahr 1988.

Förderwagen aus Mühlhausen

In Mühlhausen wurden verschiedene Fahrzeuge für Feld- und Grubenbahnen hergestellt:

  • Förderwagen
  • Kippförderwagen
  • Granbywagen/Selbstentlader
  • Untertage-Personenwagen
  • Muldenkipper
  • Plattformwagen
  • Materialtransportwagen und vielleicht noch einiges mehr

In diesem Artikel geht es um Förderwagen. Je nach Kundenwunsch wurden sie in den Größen 0.5 bis 1.6 m³ gefertigt. Ich habe mich für die Größen 0.5, 0.8, 1.0 und 1.25 m³ entschieden. Anhand der Abmessungen sind Rahmen und Mulden entstanden. Laut Prospekt wurden bis zum Fassungsvermögen von 0.8 m³ 300 mm Radscheiben verbaut (im Modell 22 mm), bei größeren Förderwagen dann 350 mm Radscheiben (im Modell 26 mm).

In den Modellen wollte ich unbedingt einige Mängel früherer Konstruktion abstellen. Außerdem kam mir dann noch die Idee zur Verwendung der Rahmen für andere Aufbauten als Förderwagen. Letztendlich habe ich mich nicht so genau an die Mühlhausener Spezifikation gehalten, sondern 2 Rahmenformen sowie mehrere Radscheiben-Designs und -Größen entworfen. Herausgekommen ist ein richtiger Baukasten für den eigenen Grubenbahn-Fuhrpark.

Modell

Im Modell habe ich eine Sammlung an Teilen vorbereitet, mit denen sich verschiedene Grubenhunte/Förderwagen herstellen lassen. Die Mulden sind immer gleich, jedoch gibt es Rahmen und Räder in verschiedenen Varianten.

Grundlagen

Zwei Mängel früherer Konstruktionen: Da wären zum einen die Achsführungen, die ich schon einige Male verändert hatte. Aber auch die zuletzt verwendete Variante (siehe Artikel 158: „Akku-Transporte in der Grube“) war zwar gut, jedoch sind die Stifte zu fein und haben sich nicht bewährt. Deshalb gibt es eine neue Achsführung, die wieder zweiteilig aufgebaut und einfacher zu montieren ist. Es gibt zwei Ausführungen für Kugellager, mit und ohne Flansch. Die Kugellager wirken sehr protzig an den Modellen. Der Hintergrund ist aber ein ganz anderer: Kugellager sind super billig, viel billiger als Durchführungsbuchsen oder Gleitlager. Leider tue ich mich mit der letzten Kugellager-Lieferung schwer. Sie scheinen nicht so maßhaltig zu sein. Die 3 mm Messingachsen passen nicht auf Anhieb in die Lager. Auf einem Bohrständer schleife ich von den Achsen einige Zehntel-Millimeter ab, eine furchtbar nervige Arbeit. Deshalb habe ich Buchsen aus PETG in der Größe der flanschlosen Kugellager gedruckt. Diese passen sofort auf die Achsen. Für die Langlebigkeit der Modelle ist das nicht bedenklich, da sie meistens in Vitrinen herumstehen und nur selten Ausfahrt erhalten. Neben PETG würde ich auch ASA empfehlen, mit dem ich bereits einige Radscheiben gedruckt habe.

Die zweite Änderung besteht im Rahmendesign. Es ist einfacher geworden, sowohl im Druck als auch in der Montage. Der Rahmen besteht immer aus einem Teil, an das nur noch die beiden Kuppeldorne montiert werden. Die Kupplung mit Kuppeldorn und Kette ist nicht nur ein Modellbahn-Kompromiss, da die typischen Fallhaken-Kupplungen im Modell schwer umzusetzen sind. Es gab durchaus auch Hunte mit Kuppeldornen, und das nicht nur bei den Kipphunten.

Zuerst zwei Bilder: eines mit Kuppeldorn am Kipphunt und ein anderes mit Fallhaken-Kupplung am Grubenhunt.

Und schließlich eine Variante mit Kuppeldornen am Grubenhunt. So funktioniert es auch am Modell.

Grubenhunte mit längerem Rahmen und Kuppeldornen im Museum Feldbahn 500 e.V.
Grubenhunte mit längerem Rahmen und Kuppeldornen im Museum Feldbahn 500 e.V.

Und dann war da noch etwas: Loren aller Art ohne Metallradsätze benötigen Ballastgewicht. In den Anfangsjahren meines Modellbaus nutzte ich Blei- oder Stahlkies, der in Epoxidharz eingegossen wurde. Mittlerweile verbaue ich ausschließlich Klebegewichte, die zum Auswuchten von Autofelgen benutzt werden. Diese gibt es in zwei Standardgrößen mit 5 g und 10 g Gewicht. Die Mulden und andere Lorenaufbauten besitzen Aussparungen für genau diese Gewichte. Aber es können auch andere Gewichte verbaut werden, etwa selbstklebende Bleigewichte als zuschneidbare Streifen oder auch Stahlkugeln in Epoxidharz wie früher.

Aussparungen für Ballastgewichte in den Grubenhunt-Mulden.
Aussparungen für Ballastgewichte in den Grubenhunt-Mulden.

Radsätze

Radsätze in Einzelteilen.
Radsätze in Einzelteilen.

Die erste Baugruppe sind die Radsätze. Sie sind für alle Lorenrahmen gleich. Die Bestandteile sind:

  • zweiteilige Radsatzführung (Unter- und Oberschale)
  • Achse 3 mm aus Messing, Karbon oder Kunststoff
  • zwei Kugellager 6x3x2.5 mm MR63ZZ oder MF63ZZ
  • Unterlegscheiben 0.5 mm, 3.2 mm Innendurchmesser
Radsatz-Einzelteile für Kugellager MF63ZZ (ohne Flansch).
Radsatz-Einzelteile für Kugellager MF63ZZ (ohne Flansch).

Je Förderwagen werden zwei Radsätze benötigt. Zuerst werden die Radscheiben inkl. Lager und Unterlegscheiben auf die Achse geschoben. Für den korrekten Radscheibenabstand von 40 mm gibt es die Montagelehre. Ich bohre die Radscheiben auf einem Bohrständer exakt 3 mm senkrecht auf. Mit leichten Hammerschlägen rutscht die Radscheibe ohne „eiern“ auf die Achse. Kleber wird meist nicht benötigt. Manchmal eiert der Radsatz doch. Dann ziehe ich die Radscheibe ab und versuche es noch einmal.

Achse mit Radscheiben und Radsatz-Montagelehre.
Achse mit Radscheiben und Radsatz-Montagelehre.

Die Achse mit den Radscheiben sollte gut in die Radsatzführung passen. Ist zu viel seitliches Spiel vorhanden, können weitere Unterlegscheiben aufgezogen werden. Im nächsten Bild sind die aus PETG gedruckten Kugellager-Atrappen verbaut. Das Material ist etwas weicher und temperaturstabiler als PLA. Auf die Unterschale wird die Oberschale geklebt.

Achse in der Radsatzführung.
Achse in der Radsatzführung.

Am Ende sind auf meinem Basteltisch Radsätze für 5 Grubenhunte entstanden.

Viele Radsätze am Ende eines Lorenbautages.
Viele Radsätze am Ende eines Lorenbautages.

Wie zu Beginn bereits erwähnt, gibt es nicht das Standard-Huntrad. In der Welt der musealen Grubenbahnen gibt es eine Vielfalt an Rädern. Deshalb habe ich eine kleine Auswahl von Hunträdern in das Paket integriert. Auf dem Bild links sind 5 verschiedene 22 mm Hunträder (Vorbild 300 mm) vorrangig für die Förderwagen mit 0.5 m³ bis 0.8 m³ Inhalt abgebildet. Rechts drei 26 mm Hunträder (Vorbild 350 mm) vorrangig für die größeren Förderwagen mit 1 m³ bis 1.6 m³ Fassungsvermögen. Da es die Lorenrahmen teilweise in zwei Höhen gibt, können auch an kleineren Hunten 26 mm Radscheiben montiert werden. Ihr könnt auch eigene Radscheiben entwerfen und montieren.

Radscheiben mit Durchmessern 22 und 26 mm.
Radscheiben mit Durchmessern 22 und 26 mm.

Förderwagen

Nach der Spezifikation der Förderwagen sind folgende Größen vorgesehen:

  • Förderwagen 0.5 m³
  • Förderwagen 0.8 m³
  • Förderwagen 1 m³
  • Förderwagen 1.25 m³

Diese 4 Grundtypen besitzen die Abmessungen:

Typ Rahmenlänge ü.P. Breite Mulde Höhe Mulde
0.5 m³ 97.6 mm 57 mm 57 mm
0.8 m³ 129.6 mm 57 mm 67 mm
1 m³ 144.6 mm 64 mm 71 mm
1.25 m³ 177.6 mm 64 mm 71 mm

Wegen der Vielfalt an unterschiedlichen Förderwagen beim Vorbild habe ich zwei Rahmenformen und zwei Rahmenhöhen für zwei Radgrößen vorgesehen. Im Download-Paket sind die Druckdateien der Huntrahmen mit Merkmalen beschriftet:

rahmen-l1-f1-h1.stl
  • Rahmenlänge l = 1 (0.5 m³), 2 (0.8 m³), 3 (1 m³), 4 (1.25 m³)
  • Rahmenform f = 1 (Rechteck), 2 (Trapez)
  • Rahmenhöhe h = 1 (flach für 22 mm Räder), 2 (hoch für 26 mm Räder)
Die kleinen 0,5 m³ Grubenhunte passen gut zu kleinen Grubenbahnlokomotiven, etwa dem Karlik Gleisschlepper.
Die kleinen 0,5 m³ Grubenhunte passen gut zu kleinen Grubenbahnlokomotiven, etwa dem Karlik Gleisschlepper.

Die nächsten Skizzen zeigen 4 Förderwagengrößen von 0.5 m³ bis 1.25 m³ mit dem Trapezrahmen (Rahmenform f=1).

Die Rahmenhöhen und Rahmenformen im Detail:

  • f=1, h=1, 22 mm Räder
  • f=1, h=2, 26 mm Räder
  • f=2, h=1, 22 mm Räder
  • f=2, h=2, 26 mm Räder

Nach der Fertigung auf dem 3D-Drucker sehen die Teile so aus. Rechts die 4 Rahmenvarianten für die kleinen Förderwagen mit 0.5 m³. Es gibt in dieser Größe zwei Mulden, einmal als geschweißte und einmal als genietete Variante. In der Mitte liegen die 4 Rahmenvarianten für die Förderwagen mit 0.8 m³. Und links ein Rahmen in Trapezform für 26 mm Räder für den 1 m³ Hunt. Die Bauteile für den 1.25 m³ Grubenhunt habe ich nicht gedruckt, sie liegen im Download-Paket.

In die Bohrungen der Hunt-Rahmen werden die Kuppeldorne eingeklebt. Es gibt sie als einteilige Druckdatei für Resindruck oder als zweiteilige Variante für den Druck mit Filament.

Gedruckte Bauteile für Förderwagen von 0.5 m³ bis 1 m³.
Gedruckte Bauteile für Förderwagen von 0.5 m³ bis 1 m³.

So sehen meine 3 Förderwagen aus. Den 4. Förderwagen mit 1.25 m³ habe ich nicht gebaut. Die Druckteile sind im Download-Paket enthalten. Bei euch können die Fahrzeuge auch anders aussehen, wenn ihr andere Rahmenvarianten und Räder verwendet.

Andere Hunte

Für den kurzen Rahmen des 0.5 m³ Förderwagens entstanden noch alternative Aufbauten:

  • Kastenaufbau flach mit Deckel
  • Kastenaufbau hoch mit Deckel
  • Wasserwagen
  • Förderwagen 0.5 m³ mit genieteter Mulde (aus früheren Jahren, in denen die Schweißtechnik bislang nicht verfügbar war)
  • Flachwagen bzw. Platte für eigene Aufbauten

Alle Aufbauten sind unspektakulär, jedoch ist der Aufbau des Wasserwagens oder Tanklore erwähnenswert. Der runde Kessel ist zweiteilig ausgeführt. Als Klebehilfe wird der Ring innen fixiert. Zusätzlich können auch im Kessel Ballastgewichte vor dem Verbinden der zwei Hälften platziert werden.

Einzelteile des Wasserwagens inkl. Ballast.
Einzelteile des Wasserwagens inkl. Ballast.

Farbgebung und Endmontage

Lackierte Hunt-Rahmen mit Radsätzen.
Lackierte Hunt-Rahmen mit Radsätzen.

Die Farbgebung der Fahrzeuge erfolgte mit Airbrush und Farben von Vallejo. Die Rahmen und Radsätze sind immer schwarz und wurden im Finish dezent gealtert. Alle Mulden der Förderwagen wurden schwarz oder hellgrau lackiert. Auch hier wieder ein trocken gebürstetes Finish oder auch ein Wash.

In der Endmontage werden die Radsätze in die Rahmen eingeklebt. Anschließend werden Rahmen und Aufbau mit Sekundenkleber verbunden. Die Ballastgewichte hatte ich bereits vor dem Lackieren eingesetzt. Die fertigen Grubenbahn-Fahrzeuge durften noch einmal zum Wiegen antreten:

  • Förderwagen 0.5 m³: Gesamtgewicht: 83 g, davon 25 g Gewichte
  • Förderwagen 0.8 m³: Gesamtgewicht: 115 g, davon 40 g Gewichte
  • Förderwagen 1 m³: Gesamtgewicht: 142 g, davon 45 g Gewichte
  • Wasserlore: Gesamtgewicht: 108 g, davon 45 g Gewichte
  • Kastenwagen hoch mit Deckel: Gesamtgewicht: 98 g, davon 25 g Gewichte

Bei Bedarf können auch noch weitere Gewichte eingesetzt werden. Platz ist vorhanden.

Galerie

Galerie der aufgebauten Grubenbahn-Fahrzeuge

Fazit

In diesem Projekt habe ich die Grubenhunte früherer Serien konstruktiv überarbeitet (bessere Radsatzführungen, einfacherer Hunt-Rahmen, Aufbauten mit Platz für Gewichte etc.) und Bauteile für Förderwagen in verschiedenen Größen hergestellt. Dabei entstanden quasi als Nebenprodukte noch ein paar andere Aufbauten wie die Wasserlore oder der Kastenwagen. Bei den hier vorgestellten Varianten handelt es sich nur um eine Auswahl der Möglichkeiten. Mit anderen Rahmenformen und Lorenrädern sehen die Fahrzeuge völlig anders aus.

In früheren Bauprojekten hatte ich gern Metallradsätze wegen ihres hohen Gewichts verwendet. Wegen der hohen Preise und des unpassenden Designs für Feldbahnen habe ich gegen die weitere Verwendung entschieden. Gelegentlich nutze ich Bachmann-Radsätze für Feldbahn-Wagen oder 2-achsige Drehgestelle. Die Verwendung von gedruckten Rädern ist überhaupt kein Problem, solange zusätzliche Gewichte untergebracht werden können. Und das funktioniert bei den hier vorgestellten Loren tatsächlich ausgezeichnet.

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