Schöma-Diesel in GN15 (Teil 2)


96 12.03.2020



Der erste Teil des Artikels mit den Vorbetrachtungen liegt nun schon ein halbes Jahr zurück. Nach einigen Verzögerungen ist das Modell jetzt fertig. In diesem Teil des Artikels stelle ich die Konstruktion und Montage vor.


Unterseiten


Mission

Im ersten Teil Schöma-Diesel 1 habe ich den ersten Fahrzeug-Entwurf nach Auswahl des Fahrwerks, die Grundzüge der Elektronik und Bilder des Lokrahmens präsentiert. Bis zur richtigen Realisierung hat es sehr lange gedauert, erst in den Weihnachtsferien ging es mit dem Bau zügig voran. Jetzt sind die Modelle endlich fertig. Entstanden sind wie geplant drei Modelle. Nur eine Lok ist motorisiert. Die beiden anderen Fahrzeuge sind Rollmodelle für meine Vitrine und später für ein Diorama. Dazu hatte ich im letzten Jahr drei Loren (siehe Artikel 79) gebaut. Das Thema lautet „Materialtransport in einem Munitionsdepot.“

Als Modellvorlage habe ich mich an diesem Vorbild orientiert. Die Modellabmessungen stammen aus dem Artikel von Ulrich Abramowski bei den Feldbahnsinnigen. Ich habe die Variante mit der Länge von 85 mm (ohne Puffer) gewählt. Die Lok scheint zwar recht klein, jedoch ist der Achsabstand des Fahrwerks auch viel zu klein. Und GN15 ist sowieso eine kleine Bauweise.

Zeichnungen Schöma-Lok

Lokrahmen

Der Lokrahmen besteht aus 5 in PLA gedruckten Einzelteilen:

  • Lokrahmen
  • 2 Stück Puffer
  • 2 Stück Trittbretter
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Schöma CHL10 Lokrahmen

Bei der motorisierten Variante habe ich zur Erhöhung der Masse Lokpuffer aus Weißmetall verwendet. Diese sind bei RS-Modelle als Artikel 3028 erhältlich. Das Fahrwerk mit dem Messingkern wiegt 71 g. Das ist noch zu wenig für die Zugkraft. Die Lokpuffer aus Weißmetall bringen noch einmal 50 g Gewicht.

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Vergleich Lokpuffer aus Metall und Kunststoff.

Für die unmotorisierte Variante habe ich einen Fake-Antrieb konstruiert, der die gleichen Abmessungen hat wie das richtige Fahrwerk.

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Fake-Antrieb für die unmotorisierten Lok-Modelle.

Auch die Scheibenräder wurden im 3D-Druck erstellt. Für die Achsen habe ich 2 mm Messing-Rundprofil verwendet.

Alle drei Fahrwerke wurden in rot (RAL 3000, Vallejo 71.269) und die Puffer in schwarz lackiert.

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Lokrahmen lackiert mit Fake-Antrieb.

Im Lokrahmen wurden Nasen eingearbeitet, die das Fahrwerk an der richtigen Stelle halten.

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Lokrahmen mit montierten Antrieb von unten.

Die Befestigung der Puffer erfolgte mit M 1.6 Schrauben. Der motorisierte Lokrahmen benötigt eine Ladebuchse für den LiPo-Akku. Ich habe mich hier wegen der geringen Baugröße für 2,5 mm Mono-Klinkenbuchsen entschieden. Die Buchse ist für Schraubmontage ausgelegt. Zum Laden wird der Klinkenstecker des Laders von unten in das Fahrzeug gesteckt.

Das Fahrwerk bekam eine Kunststoffabdeckung. So können keine Drähte im Getriebe hängen bleiben.

Abdeckung für das motorisierte Fahrwerk.
Abdeckung für das unmotorisierte Fahrwerk.
Hinweis

Am Fahrwerk muss eine wichtige Änderung vorgenommen werden: Die Radschleifer dürfen keinen Kontakt zum Motor haben. Sonst fließt Strom in den Motorausgang des Empfängers, wenn die Lok auf stromführenden Gleisen eingesetzt wird (z.B. im Mischbetrieb auf einer Anlage). Die Radschleifer könnten natürlich auch ganz entfallen. Das Fahrwerk kann bei SB-Modellbau auch ohne Schleifkontakte bestellt werden.

Insgesamt hat der motorisierte Lokrahmen ein Gewicht von 139 g gegenüber 29 g bei der unmotorisierten Variante.

Lokaufbau

Der Lokaufbau ist mehrteilig ausgeführt. Zusammengesetzt sieht die Baugruppe so aus:

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komplette Baugruppe des Lokaufbaus.

Die Einzelteile sind:

  • Lokgehäuse
  • Dach
  • Türen (2 Stück)
  • Fenstereinsätze vorn/hinten und Türen (4 Stück)
  • Auspuff
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Alle Einzelteile des Schöma-Feldahndiesels.

Für die drei Modelle habe ich zwei Farbvarianten gewählt:

  • Grün / Rot (Aufbau/Rahmen)
  • Gelb / Rot

Die Farben stammen von Vallejo:

Farbe Artikel
rot Vallejo 71.269, RAL 3000
grün Vallejo 71.014
gelb Vallejo 71.033, RAL 1006
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Schöma-Loks in verschiedenen Farben.

Ein Nachteil des FDM-Verfahrens beim 3D-Druck ist die sichtbare Schichtung. Je kleiner das Druckobjekt, desto mehr tritt dieser Effekt in Erscheinung. Für 3D-Drucke, die nicht aus dem Modellbau stammen, nutze ich seit einiger Zeit ein Glitter-Filament (Prusa Galaxy Black). Hier sind Farbpartikel enthalten, die Schichtung ist nicht so stark sichtbar. Das ist natürlich nur ein optischer Effekt. Wenn das Material dann lackiert ist, tritt die Schichtung wieder stärker hervor. Helle Farben verstärken den Effekt noch mehr. Nach einer dezenten Alterung ist der Effekt wieder erträglich. Im Maßstab 1:16 und stärkeren Wänden wirkt die Schichtung auch nicht so aufdringlich.

Die separaten Fensterrahmen sind entstanden, weil die Lackierung einfacher ist und weil die Rahmen tatsächlich ein Stück vorstehen. Abschließend erhielten alle Fenster eine Verglasung aus Folie.

Zum Ein- und Ausschalten des Fahrzeugs wurde ein Taster verbaut, der die eSwitsch-Funktion des Deltang Rx62 nutzt. Eigentlich ist diese Funktion für einen per Magnet steuerbaren Reed-Kontakt vorgesehen.

Der Taster (Kantenlänge 2.5 mm) wird durch eine geschraubte Abdeckplatte gehalten. Für die unmotorisierten Modelle gibt es eine Attrappe.

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Kleinteile: Platte zum Halten des Tasters und ein Dummy-Taster für die unmotorisierten Modelle.

Als nächster Montageschritt folgte der Einbau der Led´s.

Das Fahrzeug besitzt insgesamt 6 Led´s:

  • 2 Led´s weiß Frontbeleuchtung
  • 2 Led´s weiß Heckbeleuchtung
  • 2 Led´s orange blinkend Sondersignal

Auf der Seite Entlang der Gleise sind einige Schöma-Feldbahnlokomotiven mit orangenen Rundumleuchten zu sehen. Die Schöma CHL 20 aus dem Jahre 2006 hat mich zur Platzierung der Rundumleuchten-Imitate inspiriert. Die Frontbeleuchtung dient gleichzeitig als Statusanzeige.

Die Blink-Led´s haben geringfügig unterschiedliche Blink- und Pausenzeiten. Das macht die “Rundumleuchten” realistischer.

Download 3D-Modelle

Endmontage (motorisiertes Modell)

Das Fahrzeug besteht aus den zwei Baugruppen Lokrahmen mit Fahrwerk und Akku sowie dem Lokaufbau mit Empfänger. Beide Baugruppen sind elektrisch durch eine Steckverbindung miteinander verbunden. Das Dach ist nur aufgesetzt und sitzt ordentlich fest.

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Eine Menge Kabelgewirr in dem kleinen Fahrzeug.

Ein Einzellen LiPo-Akku mit 1000 mAh Kapazität versorgt das Fahrzeug mit Strom. Bei Höchstgeschwindigkeit und eingeschalteten Beleuchtungen sollten 8 Stunden Fahrzeit möglich sein. Geladen wird der Akku mit einem LiPo-Lader in einer Stunde (Ladestrom 1 A). Die Originalsteckverbindung des Akkus wurde beibehalten. Ein Akkutausch ist jederzeit möglich.

Beide Baugruppen werden mit M2-Schrauben verbunden. Die Türen sind fest mit dem Lokgehäuse verklebt.

Endmontage (unmotorisiertes Modell)

Die beiden Roll-Fahrzeuge sind innen hohl und besitzen das Dummy-Fahrwerk. Ich habe richtige Led´s verbaut, da diese Modelle ursprünglich mit Licht in Szene gesetzt werden sollten. Aber daraus ist letztendlich doch nicht geworden. Beide Modelle erhielten eine dezente Alterung mit Wash und Rost.

Probefahrt

Für die Konstruktion und Montage der Fahrzeuge hatte ich ein Stück 0e Gleis sowie eine Weiche aus dem PECO-Sortiment geordert. Für die Probefahrten der motorisierten Variante reichte das nicht aus. Da ich auch sonst kein Material in H0 oder 0e besitze, habe ich einige Gleise gedruckt. Dazu dienten die OS-Railway Vorlagen. Das für 32 mm Spurweite konstruierte Gleis wurde beim Slicen auf 50 % verkleinert. Das ergibt ca. 16 mm Spurweite. Die Gleise sehen richtig niedlich aus.

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OS-Railway Gleise mit den auf H0 verkleinerten Miniaturen.

Bedienung

Auch die Bedienung eines Modellbahn-Fahrzeugs will gelernt sein.

  • Taster auf der Lok kurz drücken schaltet die die Elektronik ein.
  • Wenn der Sender ausgeschaltet ist, blinken die vorderen Leds an der Lok. Das signalisiert das Warten auf den Empfänger.
  • Wenn der Sender jetzt eingeschaltet wird, leuchten die Leds nicht mehr. Sender und Empfänger sind verbunden. Die Lok kann mit Fahrregler gesteuert werden.
  • Die zwei Taster am Sender schalten die Beleuchtung und die Sonderfunktion (blinkende Leds).
  • Wird der Sender ausgeschaltet, blinken die vorderen Leds an der Lok wieder.
  • Zum Ausschalten der Lokelektronik wird der Taster auf der Lok min. 2 Sekunden lang gedrückt. Die Leds sind dann ausgeschaltet.
  • Wird die Lok erstmalig mit einem Sender verbunden, muss man nach dem Einschalten der Lok ca. 20 Sekunden warten. Dann wandelt sich das langsame Blinken in ein schnelles Blinken. Der Empfänger ist jetzt im Bind-Modus. Jetzt kann der Sender mit gedrückter Bind-Taste eingeschaltet werden und nach einigen Sekunden sind die Komponenten gekoppelt.

Die eben beschriebenen Schritte habe ich auch in einem Video zusammengefasst.

Galerie

Schöma Feldbahndiesel CHL10 in GN15

Fazit

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Lokparade - nur die erste Lok ist motorisiert.

Das Projekt Feldbahn in GN15 ist erfolgreich beendet. Das Fahrzeug macht mit dem Faulhaber-Fahrwerk von SB-Modellbau und der Funksteuerung eine gute Figur. Die Fahreigenschaften sind sehr gut. Die Lok kann sehr langsam fahren und ausreichend Loren ziehen. Die Konstruktion des Fahrzeugs hat mit viel Spaß bereitet. Mit den Ausdrucken bin ich an einigen Stellen nicht so ganz zufrieden, viele Teile sind für den 3D-Druck einfach zu klein. Insgesamt ist mir jedoch GN15 zu klein und fummelig, sodass es in kommenden Projekten wieder größer wird. Erste Versuche im Maßstab 1:16 sind vielversprechend.

Bei der Nachbearbeitung des Projekts ist mir aufgefallen, dass der E-Switch des Deltang-Empfängers die Schaltung doch nicht ganz stromlos schaltet. Der Akku entlädt sich nach längerer Zeit, was mit einem richtigen Schalter nicht passiert. So kann es vorkommen, das nach längeren Pausen vor der Ausfahrt erst ein Ladevorgang stattfinden muss. In künftigen Projekten werde ich wieder Schalter verbauen.

Schlussendlich fehlt für die zwei unmotorisierten Loks in einer Traktion zusammen mit den Loren (siehe GN15-Loren) noch ein kleines Diorama.

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Standmodelle mit Feldbahnloren.

Das motorisierte Modell erhielt noch eine gedruckte Box, in der auch das Ladegerät und der R/C-Sender Platz finden.

Tags
#2020 #feldbahn #16.5mm #1:22.5 #rc #fahrzeugbau #elektronik #gn15
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