Modellbau in SE32 (7/8ths)

Auf 32 mm Spurweite im Maßstab 1:13


98 04.05.2020


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Fertige Loren mit Figuren. Der Arbeiter links ist im Maßstab 1:16 gehalten und rechts eine Figur in 1:13.

Vor kurzem hatte ich über größere Maßstäbe als 1:22,5 nachgedacht. Der etwas größere Maßstab 1:16 scheint mir dabei u.a. wegen der Passfähigkeit zu den 32 mm Gleisen sehr geeignet. Aber auch das Thema 1:13 hat mir keine Ruhe gelassen, deshalb hier noch eine kurze Auffrischung zu den Maßstäben.


Mission

In Feldbahn 1:16 habe ich meine ersten Ideen zum Modellbau im Maßstab 1:16 vorgestellt. Voraussetzung bei den Betrachtungen war die Spurweite von 32 mm des OS-Railway (Open Source Railway) Gleissystems. Im Maßstab 1:16 entsprechen die Gleise einer ungefähren Vorbild-Spurweite von 500 mm (exakt 512 mm).

Gegen den Maßstab 1:13 sprechen zwei Dinge:

  • Der Maßstab 1:13 wird bei Feldbahnen im deutschsprachigem Modellbauraum meist mit dem 45 mm LGB-Gleissystem assoziiert. Für diese Spurweite habe ich derzeit keine druckbaren Gleis-Komponenten. Und auf gekaufte LGB-Gleise habe ich schon gar keine Lust.
  • In diesem großen Maßstab wird rasch die maximale Druckfläche vieler 3D-Drucker erreicht. Das kleine Jenbach-Pony hat beispielweise eine Länge von 13 cm. Das ist bereits die Hälfte des zur Verfügung stehenden Druckraumes.

Aus diesen Gründen war Modellbau im Maßstab 1:13 auf 45 mm Gleisen für mich bislang kein Thema. Es gibt den 1:13 Modellbau aber auch auf 32 mm Gleisen, was dieses Thema wieder in einem besseren Licht erscheinen lässt.

SE32 bzw. SE Scale

Im englisch-sprachigen Raum gibt es eine kleine Szene rund um den Maßstab 1:13. Sie bezeichnen diese Art Modellbau als SE (seven eighths -> sieben achtel oder 7/8ths) und benutzen 2 Spurweiten.

Auf Wikipedia ist die Rede von SE-Scale verbunden mit einem schicken Logo:

 

In der SE-Welt (seven eighths) entspricht 7/8“ einem ft (ft = Fuß). Da 1ft = 12“ (inches) sind, heißt die Rechnung besser: 7/8“ ~ 12“. Wie kommt man nun auf dem Maßstab 1:13?

  • 1 inch = 1“ = 25,4 mm
  • 7/8“ = 22,2 mm
  • 1 ft = 12“ = 304,8 mm
  • 22,2 mm / 304,8 mm ~ 1 / 13,7

Bei den deutschsprachigen Modellbahnern ist es der Maßstab 1:13,3. Die Kommastelle macht jedoch kaum einen Unterschied im Modell. Grob betrachtet ist der Maßstab 1:13 eine Verdopplung der Baugröße von 1:22,5. Alles wird etwa doppelt so groß. Das war schon so beim Übergang von 1:45 auf 1:22,5 oder 1:87 auf 1:45.

Für diesen seven eighths scale gibt es zwei übliche Spurweiten:

  • SE45: Vorbildspurweite 2ft -> 24“ -> ca. 610 mm -> Im Modell ca. 45 mm
  • SE32: Vorbildspurweite 18“ -> ca. 457 mm -> im Modell ca. 32 mm

Es ist schon witzig, dass in der Welt von inches und foots die Angabe der Spurweite in mm erfolgt. Ich hätte eher auf SE18 für seven eighths 18 inches getippt.

SE32 bedeutet Modellbahn im Maßstab 1:13 auf 32 mm Spurweite

Erster Anlaufpunkt für Informationen zu dieser Baugröße ist das 7/8ths-Forum.

Vorbilder

610 mm Vorbildspurweite entspricht etwa der uns bekannten Spurweite von 600 mm für Feldbahnen. Aber welche Bahnen fahren oder fuhren auf 457 mm?

Ein Blicks ins englischsprachige Wikipedia verrät 3 Vorbilder:

18“ Spurweite (457 mm) ist ein ganzes Stück breiter als die 15“ Spurweite (381 mm) der Lilliputbahnen (Die Welt der GN15-Bahner). Interessant ist, dass die Kombination des Maßstabs 1:13 und 32 mm Gleisen gar nicht so exotisch ist, wie ich bisher angenommen habe. Im 7/8ths-Forum habe ich einiges an Bauberichten für diese Kombination gefunden. Auch gibt es in GB einige Anbieter für 7/8“ Bauteile in beiden Spurweiten 32 und 45 mm.

Übungsobjekt

Als Übungsobjekt zum Kennenlernen der Baugröße habe ich eine Lore von Bole Laser Craft probiert. Der Bausatz nennt sich Trefor Wagon Chassis. Im Bausatz enthalten sind gelaserte Holzteile, 2 Achsen, 4 Radscheiben sowie Achslager aus Kunststoff. Diesen Wagen gibt es nur für die Spurweite 32 mm. Die Kosten von 12 Pfund sind überschaubar. Es gibt alternative Konfigurationen für verschiedene Aufbauten im Shop des Anbieters.

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Bausatz aus gelasertem Holz und einigen Kunststoffteilen.

Besonders interessant finde ich die beiliegende Spurlehre zu Anfertigung der Achsen. Mit der Lehre kann die Spurweite exakt eingestellt werden.

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Spurlehre für Feldbahnachsen

Der Bausatz enthält keine Puffer/Kupplungen. Auch gibt es keine Beilagen für einen Holzaufbau des Plattformwagens. Deshalb habe ich noch zwei Teile angefertigt, sodass der Wagen Stirnwände und Kupplungen erhält.

Download 3D-Modelle

Der Aufbau erfolgte mit dünnen Leisten aus Lindenholz.

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Stirnwandträger an der Flachlore.
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Blick auf die Achslager.
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Details der Kupplungspuffer.
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Gekuppelt wird wie in der richtigen Welt mit Kette.

Material

In diesem großzügigen Maßstab kann vieles im Eigenbau entstehen. Der Zukauf einiger Teile macht dennoch Sinn. Ein wichtiges Teil sind die Radsätze. Die oben vorgestellte Lore besitzt Kunststoff-Radscheiben, die auch im 3D-Druck hergestellt werden können. Dazu kommen Achsen aus Metall. Interessanter sind Metall-Radsätze, bei denen auch die Radscheiben aus Metall sind. Die Masse sorgt für einen guten Schwerpunkt.

Bei Bole Laser Craft gibt es Radsätze für die Spurweiten 32 und 45 mm.

Eigenschaft Wert
Ø Laufkranz 24 mm
Spurweite 32 mm
Gewicht 45g je Achse
Ø Nabe 2 mm
Kosten je Paar 9 £
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Metall-Radsatz mit 32 mm Spurweite

Die Größe der Radscheiben ist für den Maßstab 1:13 authentisch. Im Bild liegt neben dem Radsatz eine 350 mm Radscheibe im Maßstab 1:16.

Fazit

Bei der Gegenüberstellung der Lore von Bolelasercraft und einer Feldbahnlore im Maßstab 1:16 kann ich gar keinen so großen Unterschied feststellen. Die Bausatzlore ist sicher nicht im richtigen Maßstab, schon die Räder sind viel zu klein. Aber das ist auch nicht so wichtig, da der Unterschied zwischen 1:16 und 1:13 jetzt auch nicht so riesig ist. Auf 2 Meter im Original ergibt sich im Modell ein Unterschied von 25 mm.

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Vergleich der Bolelasercraft-Lore mit einem Eigenbau im Maßstab 1:16.

Der Bau der Lore war unspektakulär, das Ergebnis überraschte nicht so sehr. Die Konstruktion ist sehr einfach gehalten. Für mein Hobby sind diese Art von Bausätzen keine wirkliche Alternative zur Eigenkonstruktion. Dennoch war der Ausflug in diese Welt sehr nett.

SE32 als Großbahn-Maßstab auf 32 mm Modell-Spurweite ist sicher recht exotisch. Meine Modelle im Maßstab 1:16 weichen gar nicht so stark von denen im Maßstab 1:13 ab. Dennoch finde ich den Namen 500 mm Feldbahn im Maßstab 1:16 für mich passender als SE32.

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#2020 #3d-druck #1:13 #fahrzeugbau #32mm #feldbahn